Zeigt Kante und ist praktisch Hyundai bringt mit dem Bayon einen coolen Kleinwagen-Newcomer
Von Patrick Broich, Amsterdam/Paris
Hyundai bringt mit der zweiten Bayon-Generation einen kantig-schicken Allrounder im städtetauglichen Format an den Start. Dabei ist der Koreaner vor allem innen ganz schön erwachsen geworden. ntv.de hat schon Probe gesessen.
Hyundai zeigt auch bei seinen kleinen Vertretern künftig Kante nach dem Motto, Optik ist vielleicht nicht alles, aber schon ganz schön viel. Der Hersteller nennt seine Design-Philosophie "Art of Steel" - klingt ein bisschen martialisch und setzt optisch jedenfalls ein deutliches Signal.
So ist der neue Bayon nicht einfach bloß ein beliebiges Stadt-SUV, sondern ein kleiner Lifestyler mit Trekking-Note; vorn besticht er durch zackige Tagfahrleuchten, während sich die Heck-Befeuerung dem Style der Frontlichter anpasst. Ansonsten herrscht ein Mix aus schrotiger Outdoor-Optik mit markanten Radlaufverkleidungen einerseits sowie konturiert-sportlichen Sicken im Blechkleid andererseits. Und um dem sportlichen Einschlag die Krone aufzusetzen, zeigt der Bayon Auspuffendrohre. Doppelrohr sogar.
Anlass, um einmal kurz unter die Motorhaube zu schauen. Der Bayon tritt ausdrücklich an, um gerade jenen Kunden ein Angebot zu machen, die mit der Elektromobilität noch fremdeln. Daher bleibt es beim Antrieb herrlich klassisch, aber nicht unbedingt so aufregend, wie die äußere Erscheinung versprechen mag. Rückgrat der Palette bildet der Turbobenziner mit einem Liter Hubraum, drei Zylindern sowie 90 respektive 115 PS.
Ernüchterung? Dabei wird es jedoch nicht bleiben. Denn den Grundmotoren soll ein Hybrid-Antriebsstrang zur Seite gestellt werden; hier kommt ein 1,6 Liter großer Sauger-Vierzylinder zum Einsatz, naheliegend wäre die sogenannte G4LM-Maschine aus dem Konzernregal. Sie wird mit einem Elektroaggregat plus Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert. Als Systemleistung wird bereits ein Wert von 138 PS kommuniziert. Und von Schaltwippen ist die Rede, um die Rekuperation regulieren zu können. Also kommt die Modellreihe doch nicht ganz ohne Elektrifizierung aus.
Spannender Innenraum
Ein erstes Probesitzen bescheinigt dem kleinen SUV durchaus Chic im Interieur. Klar, ein bisschen Stil-Baukasten kann der 4,25 Meter lange Koreaner nicht verleugnen. Das große, gebogene Display könnte man mittlerweile als abgedroschen bezeichnen - aber es tut eben auch seinen Dienst, und das sogar sehr ordentlich. Ganz witzig dafür wirkt das Bedienelement in der Mittelkonsole für die automatische Klimaanlage. Es erinnert an die Zehner-Tastatur längst vergangener Grundig-Videorekorder aus den 1980er-Jahren. Und auch die kleinen Displays für die Temperaturwahl haben Retro-Charakter.
Grundsätzlich hält Hyundai an seinem Prinzip fest, nicht alles müsse per Touchscreen geregelt werden. Physische Tasten unterhalb des Bildschirms sind eine Wohltat. Und säuberlich klickende Knöpfchen am Lenkrad tragen ihren Teil zum angenehmen Handling bei.
Ansonsten ist die Architektur durchaus sportlich angehaucht mit mikrofasergepolsterten Sitzen sowie optisch reizvollen Metallpedalen. Und auf dem Lenkrad prangt das große "N" für Hyundais Sportlabel - muss man mit einem Augenzwinkern sehen. Am Ende bleibt der Bayon freilich weiterhin ein eher praktisches Tool statt Sportgerät, so viel muss klar sein. Und es gibt Frontantrieb, mit ihm verbundene Outdoor-Erlebnisse beschränken sich also auf Orte, die sich mit konventionellen Fahrzeugen erreichen lassen müssen.
Immerhin ist der Neuling eine Spezies Auto, die kompakte Abmessungen mit passablem Komfort verbindet. So lässt sich dank 2,60 Metern Radstand auch in der zweiten Sitzreihe passabel reisen - die Beinfreiheit hat sich gegenüber dem Vorgänger beispielsweise vergrößert. Wobei der Platz schon irgendwie kleinwagenmäßig ausfällt - aber das ist ja auch in Ordnung so.
Über die Preise der zweiten Bayon-Reihe lässt sich noch nichts Genaues sagen, allerdings liegt das Segment bei etwas weniger als 25.000 Euro in der Basis. Wer möchte, kann aus dem neuen Bayon allerdings auch ein kleines Luxusgefährt machen. Denn Features wie verstellbare Rücksitzlehnen, Panorama-Glasdach mit Öffnungsfunktion und sogar klimatisierte Sitze samt pneumatischer Lordosenverstellung sind machbar. Besonders stolz ist Hyundai offenbar auch auf die umfangreiche Ambientebeleuchtung - der Hersteller betont deren Einzigartigkeit im Segment.
Abschließend sei noch gesagt, dass mit dem kleinen Koreaner sogar Familienurlaub möglich ist. Schließlich passen bereits in Grundkonfiguration 440 Liter Gepäck-Äquivalent in den Kofferraum. Und wen die Optik nicht überzeugt, um dieses Modell in die engere Auswahl zu nehmen, Praxistauglichkeit zieht doch immer. Marktstart wird Anfang 2027, der Weltöffentlichkeit stellte Hyundai das neue Modell auf dem Pariser Autosalon 2026 bereits vor.