V8 ist wieder daBMW renoviert die 7er-Reihe kräftig innen wie außen
Von Patrick Broich, Los Angeles
Behutsam, aber wirksam passt BMW sein Flaggschiff, die Siebener-Reihe, an. Dabei beseitigt der Hersteller Schwachstellen und schärft nach. Doch ausgerechnet eine wichtige Baustelle beseitigen die Techniker nicht. ntv.de hat den Oberklässler gefahren.
Vielleicht die wichtigste Meldung zuerst: Der Achtzylinder kehrt wieder in das europäische Siebener-Modellprogramm zurück. Endlich, denn der V8 ist in der Oberklasse weniger Sehnsuchtsantrieb, sondern gehört auch im Jahr 2026 zum Standardwerk. Doch weil dieser emotionale Strang etwas später startet, braucht es noch Geduld, ihn zu erfahren. Bevor es jetzt allerdings um die übrigen Varianten geht, lass schnell schauen, was genau die Münchener nach vier Jahren Bauzeit eigentlich generell angestellt haben mit der Reihe.
Vor allem optisch hat sich etwas getan; mit der Front tritt das Modell jetzt deutlich geordneter an. Denn während bisher oft der Kontrast zwischen Niere und Kühlergrill flöten ging, haben die Designer bei der modifizierten Niere dafür gesorgt, dass diese deutlich besser zur Geltung kommt - selbst im Falle einer dunklen Lackierung. Hinten präsentieren sich neu gestaltete LED-Rücklichter nun prägnanter. Darüber hinaus sitzt das BMW-Logo jetzt in der gleichen kreativen Aussparung im Bereich des Heckdeckels wie erstmals beim iX3.
Und innen? Leuchtet den Passagieren die Kleinigkeit des Panoramic Vision entgegen, jenes Bildschirmband unterhalb Windschutzscheibe, was bei BMW jetzt Trend ist. Es muss als Ersatz für den Tacho herhalten und kann so ziemlich jede Information einblenden, die man als Fahrer haben will von der aktuellen Höhe des Standortes über einen Kompass bis hin zur Reichweite.
Letztere ist ein gutes Stichwort, denn BMW hat sie im Kontext mit den batterieelektrischen Versionen merklich gesteigert. Und zwar dank des Einsatzes von Rundzellen um rund 100 Kilometer von früher 625 auf nunmehr circa 725. Die Batteriekapazität stieg nämlich von 101,7 auf 112,5 kWh. Was die Ingenieure allerdings scheuten, war, den Schritt von 400 auf 800 Volt Netzspannung zu gehen. Das ist in der Oberklasse anno 2026 mindestens ein Schönheitsfehler.
Gleichwohl haben die Münchener etwas an der Ladeleistung getan, schieben die Energie jetzt im Peak mit 250 kW in die Batterie. Somit sinkt die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent bei gesteigerter Strommenge von 34 auf 28 Minuten. Das sind natürlich nicht zehn Minuten, doch der Siebener ist eben auch kein von Grund auf neu entwickeltes Fahrzeug, sondern bekam lediglich ein Facelift - das darf man nicht vergessen.
Siebener ist Oberklasse pur
Und schon wenige Bruchteile von Sekunden nach dem Einstieg merkt der Passagier: Bezüglich der oberklassespezifischen Skills ist die weiterhin in bloß einer einzigen Länge (5,40 Meter) erhältliche Limousine voll auf der zeitlichen Höhe. Kaum ein Auto empfängt seinen Gast derart wattig. Maximal anschmiegsame Polster üppigster Fauteuils wollen dich auch nach vielen Stunden Fahrt einfach nicht aufstehen lassen. Mehr Wohlfühlfaktor geht wahrlich nicht.
Auf die erste Testrunde geht es mit dem überarbeiteten Modell i7 60 xDrive. Mit 544 PS Systemleistung bleiben hier keine Wünsche offen. Nur 4,8 Sekunden benötigt der 2,7-Tonner für den Sprint auf 100 km/h - wuchtiger muss man nicht beschleunigen können. Bis zu 240 km/h sind in der Spitze möglich, das weckt Erinnerungen an den exakt genauso schnellen ersten Achtzylinder 740i der Baureihe E32 im Jahr 1992 - damals begrenzte man diesen aus hierarchischen Gründen zehn km/h unter dem Topmodell 750i beziehungsweise 750iL.
Auf solche Spielchen pfeift der in Europa erstmals erhältlich Mildhybrid 740 xDrive - er rangiert weit unterhalb des Topmodells, macht aber 250 Sachen. Man beachte: Die Benziner verlieren das "i" ganz gemäß dem Muster der aktuellen BMW-Nomenklatur, nach der das ehemalige Pfund der Benzineinspritzung keine Rolle mehr spielt.
Hier werkelt übrigens der begehrte Dreiliter-Reihensechszylinder mit der Bezeichnung B58. Er ist 400 PS stark und wird zusätzlich durch 18 elektrische Pferdchen unterstützt. Da der geschmeidig agierende Direkteinspritzer-Turbo "nur" 2,2 Tonnen schleppen muss, bringt er die luxuriöse Fuhre bloß wenig langsamer auf Tempo als die mittlere elektrische Version - nämlich innerhalb von 5,1 Sekunden.
Und querdynamisch? Spürt man das Mehrgewicht der batterieelektrischen Ausgabe kaum, was sicherlich auch am tiefen Schwerpunkt selbiger liegt. Mal abgesehen davon, dass der mit Monster-Radstand von 3,22 Metern ausgerüstete Langstreckler kein Auto ist, das du brutal um die Ecken wirfst. Eher eines, mit dem die Besatzung wohlig über schlechte Pisten flauscht inklusive sensibel ansprechender Luftfederung.
Reicht die Basis?
Ein kurzer zusätzlicher Ausflug mit der elektrischen Basis 50 xDrive (455 PS) zeigt dann im Vergleich schon, dass sie nicht ganz so druckvoll nach vorn stürmt. Hier nennt das Datenblatt immer noch rasante 5,5 Sekunden bis 100 km/h, aber der Körper spürt die fehlende Power eben doch. Außerdem rennt dieses Grundmodell nur 210 Sachen.
Noch einmal zum Thema, ob der Verbrenner emotionaler sein könnte in diesem Segment, in dem ja eigentlich ohnehin maximale Ruhe gefordert wird. Jein. Es hat schon auch etwas Edel-Analoges, wenn der seidige Reihensechser im Maschinenraum werkelt und seine Kraft an eine achtstufige Wandlerautomatik leitet. Unter Last sowie hoher Drehzahl kommt er dann akustisch aus dem Keller und verändert seine Tonart vom hintergründigen Murmeln in ein metallisches Schnauben, aber selbst das präsentiert der Benziner in einer zurückhaltenden Form. Fein.
Zum Schluss noch ein paar Worte zum Thema Luxus im Überfluss. Dazu gehört ganz sicher der sogenannte "Theatre Screen" - ein über 30 Zoll großer Touchbildschirm, der aus dem Dachbereich heraus in Position surrt und den großzügigen Fond in eine Kino-Lounge verwandelt. Er kann zudem für Videokonferenzen während der Fahrt genutzt werden dank eingebauter Kamera. Mit seiner 8k-Auflösung ist ein gestochen scharfes Bild garantiert. Das war jedoch schon bei der ersten Serie so - nun soll zumindest das Bedienerlebnis besser geworden sein. Dieser Aussage muss man zu gegebener Zeit noch einmal auf den Zahn fühlen. Der Beifahrer bekommt jedenfalls ab sofort einen eigenen Monitor, er gehört zum neuen Bedienkonzept.
Weitere Antriebe gibt es darüber hinaus - beispielsweise in Form der überarbeiteten Plug-in-Hybride mit bis zu 612 PS und angepasster Betriebsstrategie. Die elektrische Reichweite liegt allerdings bei unter 100 Kilometern. Reichweiten-Junkies wiederum dürfen dann auf die einzig lieferbare Sechszylinder-Dieselvariante (313 PS) setzen. Sie ist überdies auch sparsam mit maximal sieben Litern WLTP-Verbrauch auf 100 Kilometer. Sparsam darf man als Siebener-Interessent hingegen kaum sein, denn unter 117.900 Euro geht nichts. Wie heißt es so schön, man gönnt sich ja sonst nichts.
