Die Zahl kann falsch sein, aber sie zeigt den Erfahrungsschatz, mit dem Jürgen Klopp die deutsche Fußball-Nationalmannschaft übernimmt. Das Debüt als Bundestrainer gegen die Niederlande am vergangenen Donnerstag müsste sein 1082. Spiel an der Seitenlinie als Trainer gewesen sein, erzählte er erst jüngst.
Immer wieder hatte Klopp betont, dass er den Job schon seit einem Vierteljahrhundert macht, dass ihn so richtig auch nichts mehr überraschen könne. Schließlich hatte er ja auch schon große Momente erlebt: Er wurde erstmals seit 25 Jahren englischer Meister mit dem FC Liverpool, er feierte mehrfach die deutsche Meisterschaft mit dem BVB am Borsigplatz, er verpasste zweimal hintereinander mit Mainz 05 den Aufstieg so dramatisch, dass Deutschland über ihn lachte und mit ihm weinte - je nach Sympathien. Dann mischte er mit dem Underdog doch noch das Oberhaus auf, bevor er sich nach rund zwei Jahrzehnten unter Tränen verabschiedete.
"Besonders besonders"
Doch das ist die Theorie, in der Realität ist das dann doch anders. Schon bei der traditionellen Platzbegehung, noch lange vor dem Anpfiff, konnte man den Neu-Bundestrainer beobachten, wie er jeden Moment in der Johan-Cruyff-Arena aufzusaugen schien. Während sich seine Schützlinge unterhielten, stand Klopp alleine am Mittelkreis, schaute auf die sich füllenden Tribünen und winkte schließlich in den Auswärtsblock.
"Es gab ganz, ganz viele schöne Momente", sagt Klopp im Interview mit RTL, ntv und Sky nun. "Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich wusste vorher, dass es besonders wird, aber der Moment der Nationalhymne war besonders besonders. Das war es auf jeden Fall." Der 59-Jährige war über Jahre schon Schatten-Bundestrainer, beide Seiten haben aber lange nicht zueinander gefunden. Bis eben nach dem WM-Debakel in den USA, Kanada und Mexiko.
"Anders als alles andere"
"In dieser Rolle sich der Aufgabe bewusst zu werden, während die Nationalhymne gespielt wurde, das war anders als alles andere, was ich bisher in meinem Leben erlebt habe", erzählt Klopp in dem Gespräch weiter. Dieser Moment sei "dementsprechend sehr besonders und sehr schön gewesen".
Der nächste besondere Moment wartet dann schon am Sonntagabend in Augsburg. Dann gibt Klopp mit der Rückkehr der Stehplatztribünen beim DFB-Team sein Heimdebüt. Gegen Griechenland (20.45 Uhr/ARD und ntv.de-Liveticker) soll es dann den ersten Sieg der neuen Bundestrainer-Ära geben.


