Anfang der Woche verkündete der FC Bayern München zumindest nach außen überraschend die Trennung von einem leitenden Angestellten: Nils Schmadtke, Head of Scouting beim Rekordmeister und enger Vertrauter von Sportvorstand Max Eberl, wird den Klub Ende Januar verlassen. Seinen Job hatte der Sohn des ehemaligen Bundesliga-Torwarts und -Managers Jörg Schmadtke erst 2024 angetreten. Nach Informationen von Sky Sport ist der 37-Jährige bereits von seinen Aufgaben freigestellt worden und ist nicht mehr ins Tagesgeschäft eingebunden.
Nun äußert sich Schmadtke erstmals zu seinem Abschied vom FC Bayern - um verschiedenen Störgeräuschen entgegenzutreten, die rund um seine schnelle Demission aufgekommen waren. "Im Scouting lernt man früh: Urteile über Menschen trifft man nicht nach Hörensagen, sondern nach dem, was man selbst gesehen hat. Lange habe ich überlegt, ob ich mich zu den Berichten der letzten Tage äußere. Normalerweise lasse ich meine Arbeit sprechen", schrieb Schmadtke bei Linkedin. "Diesmal geht es aber nicht um meine Arbeit, sondern um meinen Charakter. Deshalb ein paar klare Sätze."
"Bin nicht respektlos"
Insbesondere der Vorwurf, er oder seine Abteilung seien für Informationslecks innerhalb des Klubs verantwortlich gewesen, wiegt schwer: "Ich habe nie vertrauliche Informationen an Medien weitergegeben. Nicht in München und nirgendwo sonst." Auch weitere Vorwürfe wies er zurück: "Menschen in meiner Verantwortung habe ich nie herabgesetzt. Fordernd bin ich, auch unbequem, wenn es um Qualität geht. Respektlos bin ich nicht." Der "Kicker" hatte schon im Sommer über Kritik an Schmadtkes Führungsstil berichtet, intern sei sein Umgang teilweise als "grenzwertig" bewertet worden.
Die Münchener "Tageszeitung" hatte zuvor verkündet, dass Schmadtkes Standing innerhalb des Klubs so angeschlagen war, dass eine Trennung vom Scouting-Boss eine Voraussetzung für die Vertragsverlängerung von Sportvorstand Eberl war. Eberls Zukunft beim Rekordmeister war wenige Wochen später mit einem neuen Vertrag geklärt worden, Schmadtke muss nun gehen. Zu den Gründen äußerte sich der FC Bayern in seiner Meldung zur Personalie nicht.
Aber: "Nichts von dem, was geschrieben wurde, hatte auch nur ansatzweise etwas mit meinem Ausscheiden beim FC Bayern zu tun", schrieb Schmadtke in seiner Stellungnahme auf Linkedin. Über die Gründe der schnellen Trennung wolle er aber keine Auskunft geben: "Über interne Vorgänge spreche ich nicht öffentlich."
Schmadtke hatte vor seinem Engagement beim FC Bayern als Sportdirektor für Borussia Mönchengladbach und als Chefscout für den FC Schalke 04 gearbeitet, davor war er schon für den VfL Wolfsburg und den 1. FC Köln tätig. Seine Zeit beim FC Bayern werde er in guter Erinnerung behalten: "Auf das, was wir in diesen zwei Jahren aufgebaut haben, bin ich stolz. Wir haben die Scouting-Abteilung neu aufgestellt, Profis und Campus enger miteinander verzahnt und in der Ansprache von Spielern neue Wege beschritten." Dem FC Bayern wünsche er "alles Gute. Auf meine nächste Aufgabe freue ich mich." Nach Informationen von Sky Sport soll der bisherige Chefscout Christoph Kresse vorerst die Nachfolge von Schmadtke antreten.


