Weltweite Expansion

Ob Krawalle oder Blut: Die NFL-Show in Paris muss weitergehen

imageVon Marcus Blumberg
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20.10.2026 | 20:39 Uhr
Die NFL macht vor nichts und niemandem Halt. Nicht vor schlechten Bedingungen, nicht vor Einzelschicksalen und schon gar nicht vor Krawallen. Die NFL sieht sich als weltweit große Show. Und diese muss immer weitergehen. Koste es, was es wolle.

Die NFL wird am kommenden Sonntag erstmals in ihrer Geschichte in Frankreich Halt machen. Im Stade de France von Paris St.-Denis treffen die New Orleans Saints auf die Pittsburgh Steelers (ab 13.30 Uhr live bei RTL und Sky Sport). Und das, obwohl die französische Hauptstadt gerade andere Sorgen hat. Heftige Krawalle toben in ganz Frankreich, Brände werden gelegt, Randalierer liefern sich Prügeleien mit Polizisten, es wird geplündert. Die NFL jedoch lässt sich nicht beirren, betonte bereits, dass für die Teams keine unmittelbare Gefahr besteht. Sie zeigt damit eine gewisse Resilienz, aber setzt damit auch einen durchaus fragwürdigen Weg fort.

Ex-NFL-Profi und TV-Experte Sebastian Vollmer beschrieb die Situation gegenüber RTL und ntv Sport treffend: "Die NFL hat ein Statement rausgegeben, dass sie bis jetzt noch nicht daran denken, das Spiel zu verlegen. Ich glaube, die Messlatte dafür ist sehr hoch, da es das erste Spiel in Paris überhaupt ist - ein Riesenaufschlag. In der Theorie könnte man das Spiel beim Heimteam austragen, also in New Orleans. Aber da muss man sich natürlich auch vorstellen, was alles dazugehört: Von der Produktion, Broadcastern, Fans, Tickets, Flügen, Hotels - alles, was da dranhängt. Deshalb glaube ich nicht, dass sich da was ändern wird. Ich hoffe und gehe jetzt mal stark davon aus, dass in den nächsten vier bis fünf Tagen die NFL und die französische Polizei Ruhe reinbringen, so dass das Event stattfinden kann. Aber natürlich hat man große Sorgen im Moment."

Die NFL ist nicht dafür bekannt, Kompromisse zu machen. Selbst bei widrigsten Bedingungen wird in aller Regel gespielt. Wind und Wetter? Kein großes Problem, Schneestürme schon gar nicht. Spiele in klirrender Kälte, bei denen Fans im Stadion am Ende Gliedmaße abfrieren? Ein nicht zu vermeidendes Übel. Einzig bei Gewitter in der Region ist man vorsichtig, weil es US-Gesetze so vorsehen. Doch gerade wenn es um die weltweite Expansion geht, lässt sich die Liga nur ungern stoppen oder gar rein reden.

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Experte Vollmer hofft auf friedliche NFL-Premiere in Frankreich

Selbst ein Blutgerinnsel ist kein Hindernis

Als in Rio vor wenigen Wochen Land unter war, wurden eben spezielle Maschinen herangekarrt, um den Rasen im Maracana irgendwie zusammenzuflicken, nachdem er von Wassermassen ramponiert war. Und generell scheinen Platzbedingungen in diesen Partien keine große Rolle zu spielen. Der Wembley-Rasen in London ist traditionell schon sehr rutschig für NFL-Verhältnisse, München kann ein Lied davon singen, ebenso Sao Paulo. Und selbst lange Anreisen sind kein Hindernis. 16 Stunden von der Westküste bis nach Australien unterstreichen dies. Nächster Halt: vermutlich Japan.

All das war aber offenkundig noch nicht genug, denn jüngst entsandten die Philadelphia Eagles Quarterback Jalen Hurts nach London, der sich zuvor über Schmerzen an der Wade beklagte. Das war Berichten zufolge am Donnerstag vor dem Spiel. Am Freitag flog man über den großen Teich und am Samstag dann wurde Hurts eingehend untersucht. Diagnose: oberflächliche Venenthrombose in der linken Wade. Also ein Blutgerinnsel. Wie der mittlerweile unabhängige Reporter Tom Pelissero berichtete, war Hurts auf Anraten der Ärzte für circa 36 Stunden wach. Seine Agentin Nicole Lynn erklärte später, dass er allerdings vor dem Spiel am Sonntag dann doch noch ein paar Stunden in einem Extra-Raum im Stadion geschlafen habe.

Die optimale Vorbereitung auf ein NFL-Spiel sieht allerdings anders aus. Und überhaupt kamen die medizinische Abteilung sowie eine unabhängiger Arzt in London zur Erkenntnis, dass "Aktivität und Mobilität wichtig" waren und "Jalen sicher spielen konnte" gegen die Jacksonville Jaguars - was wäre da naheliegender als ein Footballspiel zu bestreiten?! Das schrieben die Eagles in einem Statement, in dem sie Tage später darüber aufklärten, dass Hurts, der immerhin für 220 Yards und einen Touchdown warf, tatsächlich unter einem Blutgerinnsel leidet. Da hieß es noch, dass er höchstens ein paar Wochen ausfallen werde.

Hurts verpasst Rest der Saison

Jetzt jedoch wissen wir, dass sich das Blutgerinnsel verschlimmerte und er zur Sicherheit mal auf der Injured Reserve List gelandet ist und damit mindestens vier Wochen fehlen würde. Doch auch das war nicht das Ende: Am Montag nämlich verkündeten die Eagles dann, dass Hurts' Blutgerinnsel sich sogar bis in die Lungen bewegt hat und er mit einer tiefen Venenthrombose und beidseitigen Lungenembolien diagnostiziert wurde. Saison-Aus.

Hätte er am Ende vielleicht doch nicht spielen sollen nach kaum Schlaf infolge eines Transatlantik-Flugs, einer Blutgerinnsel-Diagnose und der generellen Brutalität eines Footballspiels? Man weiß es nicht. Was man jedoch weiß, ist, dass die NFL immer weitergeht, wenn da nicht gerade ein Gewitter in der Region stattfindet und man rein gesetzlich betrachtet das Stadion räumen muss. Aber sonst?

Verwendete Quelle: ntv.de