Auch in Hannover bleibt der große deutsche Triumph aus. Dennoch liefert Oktagon 97 mehrere Hinweise darauf, warum die heimische MMA-Szene optimistisch in die Zukunft blicken kann. Zwei Brüderpaare, ein starkes Debüt und eine neue Hoffnungsträgerin prägen den Abend. Die fünf Lehren des Events:
Der deutsche Titel-Fluch?
Niko Samsonidse, Gjoni Palokaj, Jessin Ayari und in Hannover Max Holzer - die Liste der deutschen Kämpfer, die in den letzten Jahren in Titelkämpfen bei Oktagon gescheitert sind, setzt sich fort. Sind die heimischen Kämpfer nicht bereit für den ganz großen Erfolg? Es zeigt wohl eher, wie hoch das Niveau an der Spitze geworden ist. Samsonidse, Palokaj, Holzer - alle drei machten in ihren Titelkämpfen jeweils nur einen Fehler, der die Niederlage einleitete. Bereits im Januar können deutsche Fans wieder mit dabei sein, wenn eine Lokalmatadorin nach dem Titel greift. Dann steigt Alina Dalaslan in Stuttgart in den Käfig, um die zweite deutsche Championesse bei Oktagon zu werden.
Severino vs Holzer - Oktagon 97 in Hannover ...
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Max Holzers Comeback-Qualitäten gefragt
Makellos war die Karriere von Max Holzer bis zum Titelkampf gegen Igor Severino. Nun steht der Hannoveraner 12-1. Weiterhin eine beeindruckende Bilanz, ohne Frage. Der 24-Jährige kündigte nach der Niederlage bereits an, stärker zurückkommen zu wollen. Die Bantamgewichtsklasse bei 61 kg soll weiterhin sein Zuhause sein, vielleicht muss er sich aber noch an den Speed der Gegner gewöhnen. Mit Severino hatte er da ohnehin die Endstufe vor den Fäusten. Allerdings hatte Holzer auch nach wenigen Sekunden selbst einen starken Treffer verbuchen können und landete im Clinch am Käfigzaun, eigentlich eine Spezialdisziplin seiner Fightschool in Hannover, wo diese Situationen intensiv gedrillt werden. "Meine Idee war, das Tempo aus dem Kampf zu nehmen. Zum einen, weil ich wusste, dass ich noch fünf Runden vor mir habe und zum anderen, weil er der schnellere Striker ist", sagte Holzer auf der Pressekonferenz. Er habe Severinos Arme müde machen wollen. Während alle Holzers Striking nach dem beeindruckenden Sieg gegen Khalid Taha gelobt hatten, muss man sich fragen, ob das der richtige Ansatz gegen Severino war. In den kommenden Kämpfen wird man sicher wieder mehr Grappling vom begabten Deutschen sehen. Die Niederlage nahm er mit Fassung und Anstand, attestierte Severino eine starke Leistung. Nun sind die Comeback-Qualitäten des 24-Jährigen gefragt. Er wolle sich ein Beispiel an seinem Teamkollegen Gjoni Palokaj nehmen, sagte Holzer. Auch Palokaj verlor seinen letzten Kampf früh in der ersten Runde, in Hannover wirkte der 31-Jährige wie ausgewechselt und beendete den Kampf gegen den hochdekorierten Zafar Mohsen vorzeitig.
Jan Holzer gibt's nicht in langweilig
Es gab an diesem Abend dann doch einen Holzer-Sieg für das Publikum zu bejubeln. Max' jüngerer Bruder Jan gab sein erfolgreiches Debüt als Profi. Sein Gegner Jan Svagerko war dem erst 19-Jährigen nicht gewachsen, auch wenn man Holzer eine gewisse Nervosität anmerken konnte. Bereits im Vorfeld hatte er die gesamte Bandbreite des MMA-Spektrums an Medienwirksamkeit durchgespielt, Schubserei beim Staredown nach dem Wiegen und Sticheleien auf der Pressekonferenz inklusive. "Der Grund warum sich die Leute im Vorfeld nicht streiten, ist, weil es den Druck vervielfacht", sagte Jan Holzer dem Portal MMA ohne Maske. "Aber ganz ehrlich: Ich werde keine langweilige Karriere machen, weil es nicht zu meinem Charakter passt." Der Unterhaltungsfaktor ist wie bei Bruder Max hoch, der Fansupport da, doch auch sportlich hat das Talent gezeigt, was in ihm steckt. Einen Guillotine-Choke mit Krokodilsrolle sieht man nicht alle Tage. Der junge Holzer, eine Art "Crocodile Dundee" der MMA-Szene: Lockere Sprüche und wenn es notwendig ist, schnappt er zu.

Holzer-Brüder provozieren vor MMA-Kampf
Die Severino-Brüder sind der Real Deal
Was nur zur Hälfte bei den Holzer-Brüdern erfolgreich war, fand bei den Severinos die Vervollständigung. Sowohl Titelverteidiger Igor als auch sein Bruder Matheus lieferten beeindruckende Finishes. Vor allem Matheus war eher als Mitbringsel seines talentierten Bruders bei Oktagon gelandet, zeigte aber bei seinem ersten Kampf im März in Hamburg, dass er ein ganz anderes Kaliber ist. Damals besiegte er Shawn da Silva aus Balingen, in Hannover schickte er Mo Walid mit einem Aufwärtshaken schlafen. Auch wenn das Duell im Bantamgewicht stattfand, eigentlich sind Walid und Severino Fliegengewichte - und dort dürfte Matheus nun auch ein Wörtchen im Titelrennen mitzureden haben. Gut möglich, dass wir bald beide Severino-Brüder mit Champion-Gürteln um die Hüften sehen dürfen.
Kathrin Häberle - ein neuer Stern am Frauen-MMA-Himmel?

Dafür, dass viele Zuschauer zuvor nichts von Kathrin Häberle gehört hatten, bekam die 28-Jährige bei ihrem Oktagon-Debüt gleich ordentlich Support von den Rängen. Die mehrfache Kickbox-Weltmeisterin untermauerte auch in Hannover, bei ihrem erst zweiten Profikampf, dass sie den Übergang zu MMA spielend gemeistert hat. Auch wenn Gegnerin Poliana Albuquerque deutlich leichter in den Kampf ging, Häberle sezierte sie mit ihrem sauberen Striking und ihrer Geduld. Eine abgeklärte Leistung, die Vorfreude auf mehr macht, denn Häberle hat die nötige Ausstrahlung, kann reden und sportlich überzeugen.

