Warnung an ter Stegen

Urbig ist jetzt auch Klopps Schattenmann im Tor

imageVon Martin Armbruster
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Jürgen Klopp hält große Stücke auf Jonas Urbig. (Foto: IMAGO/Kirchner-Media)
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05.10.2026 | 20:48 Uhr
Obwohl er in der Bundesliga nur Ersatztorwart ist, gehört Jonas Urbig zu den Gewinnern des ersten DFB-Lehrgangs unter Jürgen Klopp. Der 23-Jährige ist präsent, als wäre er schon lange dabei. Eine Torwart-Legende warnt Platzhirsch ter Stegen bereits.

In der 61. Minute des Nations-League-Spiels der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Thessaloniki gegen Griechenland verließ Jonas Urbig sein Hoheitsgebiet. Der Torwart stürmte aus dem 16-Meter-Raum der deutschen Mannschaft heraus - aber nicht, um in Libero-Manier seines Bayern-Mentors Manuel Neuer einen griechischen Pass zu klären. Urbig knöpfte sich Fotis Ioannidis vor. Der Angreifer der Hellenen hatte Innenverteidiger Malick Thiaw unsanft zu Fall gebracht. Nicht schön, aber fußballüblich. Urbig ging die Aktion trotzdem mächtig gegen den Strich. Der 20-Jährige baute sich vor Ioannidis auf, rempelte ihn an und schleuderte dem griechischen Offensivmann ein paar unschöne Worte entgegen. Ein Hauch von Oliver Kahn im milden Thessaloniki. Man könnte die Szene dahingehend interpretieren, dass Urbig in einer Phase, in der die DFB-Elf etwas an Zugriff verlor, ein Zeichen setzten wollte.

Die Gemüter beruhigten sich schnell wieder, kein Drama. Und von Urbigs zweitem Länderspiel wird auch eine andere Aktion viel stärker in Erinnerung bleiben: Nach wenigen Sekunden bewahrte er die Klopp-Elf vor dem Rückstand, wischte einen Kopfball reaktionsschnell von der Linie. Bemerkenswert ist der spätere kleine Ausbruch des sonst für sein Alter so abgeklärten Urbig dennoch. Denn Klopp will - das hat der oberste Fußball-Lehrer der Republik mehrfach betont - Mentalitätsspieler auf dem Rasen sehen. Urbig präsentierte sich begierig.

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Nach einer Minute: Jonas Urbig rettet die Null für Deutschland

Der Youngster des FC Bayern ist ohne Frage einer der Gewinner aus Klopps XXL-Kader. Schließlich hätte der DFB-Chefcoach für das Revanchespiel am Thermaischen Golf der Ägäis auch einen anderen in den Kasten stellen können. Der schon mehrmals nominierte Finn Dahmen vom FC Augsburg und der von Freiburg an Frankfurt verliehene Noah Atubolu hätten ihr Debüt ebenfalls verdient gehabt. Alle Torwarte hätten "im Training überragend gehalten" und einen "Top-Eindruck hinterlassen", betonte Klopp. Der 59-Jährige gab am Ende aber eben Urbig den Vorzug - mit einer interessanten Begründung. "Die anderen Jungs, die jetzt dabei waren, die spielen alle regelmäßig, und das hat Jonas nicht getan, deshalb bekommt er das Spiel auch."

Kahn sieht Klopps Begründung pro Urbig kritisch

Deutschlands Elite-Auswahl als Möglichmacherin - das kommt nicht überall gut an. "Ich glaube nicht, dass die Nationalmannschaft dazu da ist, irgendjemandem Spielpraxis zu verschaffen. Ich finde, das war schon etwas unglücklich", kritisierte Oliver Kahn bei RTL/Sky. "Wenn jemand Spielpraxis braucht, dann hätte ich sie gerne demjenigen gegeben, der laut Jürgen Klopp zumindest im Moment die Nummer eins ist: Marc-André ter Stegen. Das hätte aus meiner Sicht mehr Sinn ergeben." Ter Stegen hält nach langer Leidenszeit seit Saisonbeginn für Ajax Amsterdam. Seinen teils wackeligen Auftritt in der Joahn-Cruyff-Arena gegen die Niederlande erklärten viele Beobachter auch damit, dass der Routinier noch nicht wieder voll im Rhythmus sei. Ter Stegen gehörte aber ebenso wenig wie Kapitän Joshua Kimmich zum Aufgebot für die Spiele gegen Serbien und Griechenland.

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VAR greift ein: Assist Scherhant, Tor Burkardt und doch vergeblich

Von der K-Frage um Kimmich überlagert, spielt die T-Frage um den Platz im DFB-Tor zurzeit noch keine prominente Rolle. Urbigs Doppeleinsatz lässt sich allerdings als Fingerzeig deuten, wohin die Reise gehen könnte. "Momentan" hat Klopp den gegen Holland teils auch starken ter Stegen zur Nummer 1 erklärt. Das könne sich auf dem Weg zur EM 2028 aber ohne weiteres ändern, sagte Kahn. "Ich kenne diese Aussagen von Trainern: 'Du bist im Moment meine Nummer 1.' Was heißt das? Das heißt gar nichts", erinnerte der 57-Jährige an sein eigenes, schmerzhaftes Schicksal in der Nationalmannschaft. Jürgen Klinsmann hatte Kahn 2004 nach Amtsantritt ebenfalls den Status als Nummer 1 zugebilligt, zugleich aber ein offenes Rennen gegen Jens Lehmann ausgerufen. Der Rest ist Geschichte - zwei Monate vor Beginn der Heim-WM 2006 degradierte Klinsmann den "Titan", Kahn nahm die Rolle als Ersatztorwart an und gewann viele Sympathien.

Rensing als warnendes Beispiel

Ter Stegen ist also gewarnt. Denn Spielpraxis wird Urbig nicht mehr lange nötig haben. In der kommenden Saison dürfte er sie beim FC Bayern in Bundesliga wie Champions League bekommen, wenn Neuer wie erwartet die Torwarthandschuhe an den Nagel hängt. An der Säbener Straße schwärmen sie in den höchsten Tönen vom Erben der Legende, nun hat Urbig das T-Revier auch beim DFB schon einmal dezent markiert. Er ist nicht mehr nur beim FC Bayern, sondern auch in der Nationalmannschaft der "Schattenmann" - der Torwart der Zukunft.

Noch spreche für ter Stegen dessen Erfahrung auf "allerhöchstem Niveau", wies Kahn auf die vielen Erfolge des 34-Jährigen beim FC Barcelona hin. Aber: Mit dem Adler auf der Brust habe ter Stegen nicht immer überzeugt, "es gab immer wieder Spiele, in denen man das Gefühl hatte, dass die letzte Sicherheit fehlt, und er auch den einen oder anderen Fehler macht. Das heißt, auch er kann sich momentan nicht hundertprozentig sicher sein."

Ein warnendes Beispiel aus der Geschichte gibt es allerdings auch für Urbig. Schon einmal wurde mit Michael Rensing ein Torwart-Kronprinz in München hinter einer Überfigur aufgebaut - damals in Kahns Windschatten. Aus Bayern-Boss Uli Hoeneß schoss 2006 bei der Frage nach dem Nachfolger des alternden Lehmanns ein feuriges Plädoyer durch seine "Abteilung Attacke" geschärften Zähne. "Lehmanns Nachfolger in der Nationalelf wird auf jeden Fall Rensing und sonst keiner. Da können sich alle anderen auf den Kopf stellen." Mit "den anderen" meinte er unter anderem Manuel Neuer.

Verwendete Quelle: ntv.de