Cristiano Ronaldo hat sich wie angekündigt ausführlich zu seiner vieldiskutierten Abreise vom Nationalteam geäußert. Dabei erhebt der 41-Jährige schwere Vorwürfe gegen Trainer Jorge Jesus. Von einem Rücktritt will er aber nichts wissen.
In dem langen Statement, das der Superstar auf Social Media teilte, erklärt Ronaldo, dass er nach der WM 2026 über ein mögliches Ende im Nationalteam gedacht habe. Der Präsident des portugiesischen Verbandes habe ihn aber gebeten, seine Entscheidung zu überdenken.
Nachdem Jesus das Amt übernommen hatte, sei es zu mehreren Gesprächen zwischen Trainer und Spieler gekommen. Nach Darstellung Ronaldos habe der Nationalcoach ihm eine wichtige Rolle für die anstehende Spiele in der Nations League zugesichert sowie eine Belastungssteuerung. Es habe den Plan gegeben, Ronaldo im ersten und letzten Spiel der Länderspielphase (also den beiden Heimspielen) einzusetzen. Die beiden Auswärtsspiele ganz auszulassen sei für Ronaldo aber nicht infrage gekommen.

Portugal-Coach macht Cristiano Ronaldo die Tür weit auf
Dann sei es zum Bruch im Auswärtsspiel in Norwegen gekommen. Obwohl ausgemacht gewesen sei, dass er nicht spiele, sollte Ronaldo dann doch 30 Minuten eingesetzt werden. Daraufhin habe er sich warmgemacht, wurde aber nicht eingewechselt. "Der Trainer hat sein Wort gebrochen", teilt Ronaldo aus. Dass er nach dem Spiel die Fans nicht verabschiedet habe, wertete er selbst als "Fehler" und entschuldigte sich dafür.
Ronaldo teilt gegen Nationaltrainer aus
Dann sei es zu einem Krisengipfel gekommen. Ronaldo berichtet, Jesus habe seine Fehler eingeräumt und versprochen auf der Pressekonferenz, dies zu kommunizieren. So sollte Jesus unter anderem klarstellen, dass Ronaldo keine Einsatzzeit verlangt habe. Auf eben jener PK habe Jesus die Situation dann aber anders als vereinbart dargestellt. "Es war das zweite Mal, dass mir das gegebene Wort gebrochen wurde", so Ronaldo. Daraufhin habe er den Lehrgang verlassen.
Trotzdem übernehme er die Verantwortung für den vorzeitigen Abschied vom Team, betonte Ronaldo. "Ich bin nicht irgendein Spieler. Ich bin der Kapitän. Deshalb wiegt mein Fehler sogar schwerer", so der Rekordnationalspieler, der selbst Konsequenzen einfordert: Eine mögliche Sperre durch den portugiesischen Verband werde er akzeptieren. Zugleich entschuldigte sich der 41-Jährige dafür, dass er das Team verlassen habe. "Trotz des absoluten Vertrauensbruchs seitens des Trainers - was Zeugen dieser Gespräche bestätigen können - hätte ich das nicht tun dürfen. Die Verantwortung liegt allein bei mir", so Ronaldo.
Von einem Rücktritt aus dem Nationalteam ist in dem Statement keine Rede. Im Gegenteil. Irgendwann werde es ein oder mehrere Abschiedsspiele geben, aber derzeit denke er nicht an Abschied, sondern nur an sportlichen Wettbewerb, erklärte Ronaldo. Sofern er nach einer möglichen Sperre körperlich fit sei und regelmäßig für Al Nassr spiele und Tore erziele, stehe er der Selecao auch künftig zur Verfügung. Zum Abschluss seines Statements schreibt Ronaldo: "Das ist, glaubt mir, die reinste Wahrheit."
Zuvor hatte es Berichte gegeben, dass Ronaldo nur unter der Bedingung ins portugiesische Nationalteam zurückkehre, dass Trainer Jorge Jesus nicht mehr im Amt sei. Davon war in dem Statement zumindest keine Rede.

