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Hertha-Boss sauer: "Das haben diese Spieler nicht verdient"

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Der Erfolg von Hertha BSC fußt maßgeblich auf innerer Geschlossenheit. (vl.n.r.: Kaderplaner Bastian Huber, Geschäftsführer Peter Görlich und Präsident Fabian Drescher) (Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH)
19.09.2026 | 10:20 Uhr
Dr. Peter Görlich ist seit einem Jahr Geschäftsführer von Hertha BSC - und steuert den Zweitligisten mit stoischer Ruhe und eisernen Nerven durch einen Sturm, der vor der Saison um den Klub braust. Im Gespräch mit ntv.de erklärt der Hertha-Boss die Erfolgsstrategie.

Hertha BSC avanciert innerhalb weniger Wochen vom Prügelknaben zum viel bestaunten Überflieger der 2. Bundesliga. Der Hauptstadtklub schleppt millionenschwere Altlasten mit sich, die die aktuellen Entscheidungsträger peinigen - und einen schmerzhaften aber zwingenden Konsolidierungskurs überlebensnotwendig machen. In der Sommerpause erzielt der einstige Champions-League-Teilnehmer einen gewaltigen Transferüberschuss, verliert dafür aber im Wochentakt Leistungsträger und Publikumslieblinge. Neuzugänge? Lange Fehlanzeige. Irgendwann konstatiert der Boulevard, dass Hertha BSC der letzte deutsche Profiklub sei, der noch keinen externen Neuzugang an Land ziehen konnte. Viele wundern sich, manche spotten, andere sorgen sich. Alles umsonst.

Dr. Peter Görlich ist seit einem Jahr Geschäftsführer von Hertha BSC - und steuert den Zweitligisten mit stoischer Ruhe und eisernen Nerven durch einen Sturm, der vor der Saison um den Klub braust. Im Gespräch mit ntv.de erklärt der Hertha-Boss die Erfolgsstrategie.

Dr. Peter Görlich, im Sommer musste Hertha BSC einen Leistungsträger nach dem nächsten ziehen lassen, Neuzugänge ließen dafür lange auf sich warten. Teilweise wurde Häme über dem Klub ausgekübelt, manche wähnten den Klub handlungsunfähig, mancher sah Sie als Abstiegskandidaten. Ein paar Wochen später feiern Sie den erfolgreichsten Start der Klubgeschichte: Fünf Siege in Folge in der Liga, dazu einer im Pokal. Hertha ist in aller Munde und das ausschließlich positiv. Gönnen Sie sich dieser Tage ein bisschen Genugtuung?

Nein, überhaupt nicht. Zumal wir alles andere als handlungsunfähig waren, wir hatten ganz viele Transferbewegungen. Die waren von uns angekündigt und im Kontext der zwingenden Konsolidierung auch notwendig. Wir mussten Kadergröße und Kaderkosten reduzieren. Wir sind darauf angewiesen, Transfererlöse zu erzielen. Das ist uns ganz gut gelungen. Aber dieser qualitative Aderlass war für Außenstehende viel gravierender als für uns. Wir haben rund um jeden Abgang immer wieder neu überlegt: Wie können wir das kompensieren? Und so sind wir dementsprechend dann auch ordentlich in die Runde gestartet.

Sie haben mit Fabian Reese, Michael Cuisance, Tjark Ernst, Kennet Eichhorn und später Marten Winkler in hoher Taktung absolute Stammspieler abgegeben. Das hat für ein entsprechendes Echo gesorgt. In dieser stressigen Zeit hat sich der Klub unglaublich souverän und geschlossen präsentiert. Gerade an der Schnittstelle zwischen der Geschäftsführung und dem Präsidium um Fabian Drescher.

Es freut mich sehr, wenn Sie das so wahrgenommen haben. Wenn Sie einen so großen Verein strategisch betrachten, müssen Sie vorher in die Kommunikation gehen, wenn Sie so agieren wollen. Sie müssen tatsächlich sämtliche Zahlen, Daten, Fakten transparent gestalten. Auf Basis einer solchen Darstellung kann man dann ableiten, was kurz-, mittel- und langfristig bedeutet. Genau das ist in einem enorm offenen Prozess passiert, in dem beide Seiten festgestellt haben, dass alle dem Gegenüber voll vertrauen können.

Welche Verabredungen haben Sie getroffen?

Wir hatten uns relativ früh damit auseinandergesetzt, dass wir Emotionalität reduzieren wollen, dass wir mehr Klarheit schaffen, dass wir dadurch auch Verantwortungsdiffusion beseitigen. Wer redet über was, wer geht wann wie nach außen? Wenn es Unklarheit gab, sind wir wieder zusammengekommen und haben darüber gesprochen. Jeder einzelne Schritt, den wir in diesem Sommer vorgenommen haben, ist sehr detailliert besprochen worden.

Der Begriff "Verantwortungsdiffusion" scheint Ihnen wichtig zu sein. Können Sie erläutern, was genau dahinter steckt – und warum darin eine Gefahr liegt?

Das ist total einfach: Wenn die rechte Hand nicht weiß, was die linke macht, kommt es zu Verwerfungen in einem System. Wenn Sie eine Strategie haben, kann ein Plan mal – pardon - scheiße sein. Aber alle können sich wieder an der Strategie orientieren. Und dann tanzt niemand aus der Reihe und macht irgendetwas, weil es ihm gerade gefällt oder weil ihn die Emotionalität treibt. Stattdessen bleiben wir beisammen. Wir wollen der Emotionalität fernbleiben und stabiler in unserem Handeln werden. Und dafür brauchen wir klare Verantwortlichkeiten, eine klare Strategie, klare Einzelpläne, um das dementsprechend umzusetzen.

Was bedeutet das für einen Bundesliga-Klub?

Der Fußball ist, jedenfalls auf Geschäftsführungsebene, auch nicht davon befreit: Er muss aus der Emotionalität rauskommen und sich weiter professionalisieren.

Was hat Hertha BSC ohne Geld auf dem überhitzten Transfermarkt besser gemacht als andere? Die externen Neuzugänge Farid Alfa-Ruprecht, Mads Pedersen, Gustaf Nilsson und Oluwaseun Adewumi, der sich in Rekordzeit ins Blickfeld von Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick gespielt haben, scheinen allesamt gut zu passen. Jedenfalls helfen sie sofort.

Es steht mir nicht zu, zu bewerten, was andere machen. Wir haben versucht, die Möglichkeiten dieses doch manchmal einfach gestalteten Transfersystems für uns zu nutzen. Natürlich wussten wir, welche Positionen wir verstärken wollten und haben gezielt nach entsprechenden Spielern gesucht.

Worauf kommt es an?

Entscheidend ist, dass man auf diesen Positionen Profile abbildet, die zu unserer Spielidee passen. Zu dem, wie wir gesehen werden wollen, wie wir Fußball spielen wollen. Diese Genauigkeit weit vor der Transferphase war eine Fleißarbeit, die Teil eines übergeordneten Planes war. Wenn man sich so aufstellt, dann kann man auch eine Hektik wegatmen und tatsächlich bei sich bleiben. Und das ist uns gelungen. In Kombination mit allen Beteiligten, mit Benny Weber, mit Basti Huber, aber auch mit Stefan Leitl. Und dann gehört es auch zu meiner Rolle, den Austausch gegenüber den Gremien entsprechend zu begleiten.

Deshalb sind wir nie nervös geworden, denn wir wussten: An der und der Stelle haben wir dieses und jenes Profil. Und wenn das 1A-Profil nicht geklappt hat, dann hätten wir auch die Möglichkeit, noch mal ein 1B-Profil zu realisieren. Und das Ganze unter dem Aspekt der finanziell sauberen Herangehensweise.

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Die Nervosität im Umfeld haben Sie aber natürlich registriert gehabt?

Wir haben die Hektik von außen natürlich wahrgenommen, hatten aber relativ früh schon unsere Leinen ausgeworfen und ganz lange Gesprächsphasen gehabt, in denen man mal intensiver, mal weniger gesprochen hat. Am Ende des Tages sind wir sehr zufrieden, wie wir uns aufstellen und in die Runde gehen konnten.

In der Analyse zur letzten Saison dürften Sie alle gemeinsam zu dem Schluss gekommen sind, dass die hochkarätig besetzte Mannschaft eher underperformed hat. Jetzt sieht es nach den ersten fünf Spieltagen ganz anders aus. Es wirkt, als würden große Teile der Mannschaft tatsächlich ihr Potenzial weitestgehend ausschöpfen. Hat das auch was mit dem Kaderumbau zu tun?

Es ist sicherlich nicht unabhängig voneinander zu denken. Bei einem solchen Kaderumbau geben Sie dem einen oder anderen Möglichkeiten, nicht einfach nur eine Nische zu besetzen, sondern für sich einen Raum zu definieren. Wenn Sie sich dann - und das hat unser Trainerteam sehr gut gemacht - auch über eine ganze Vorbereitungsphase hinweg intensiv und hochgradig individuell mit den einzelnen Spielern unterhalten, dann erkennen Sie auch, welche Potenziale sie noch entfalten können.

Was hat das Trainerteam bei welchen Spielern erkannt?

Dass beispielsweise Josip Brekalo ein außerordentlich guter Fußballer ist, war den meisten bekannt. Dass er aber auch eine Führungsrolle noch mal so übernimmt, ist ein Entwicklungsprozess, den das Trainerteam mit ihm gemeinsam durchgezogen hat. Das Gleiche gilt für Linus Gechter. Diese Rollen können sie so nur annehmen, weil der Raum dafür vorhanden war. Aber durch die Tür müssen die Jungs dann auch selber gehen...

... und keine Angst davor haben, was hinter dieser Tür ist.

Veränderung ist ja nicht nur etwas Negatives, sondern Veränderung kann, wenn sie geplant ist und man das Erwartungsmanagement sauber gestaltet, tatsächlich auch zu Verbesserungen führen. In der Außenwahrnehmung ist eine solche Verbesserung durchaus eingetreten. Die große Herausforderung wird sein: Wie nachhaltig ist das? Das wissen wir alle. Und wir wissen, dass wir das alles in die Waagschale werfen und sehr hart und intensiv und fokussiert arbeiten müssen.

Sie betonen den Anteil von Stefan Leitl an der jüngsten Entwicklung. Gefühlt stand er in der vergangenen Saison permanent am Rande der Entlassung. Gab es den Gedanken, sich vom Trainer zu trennen, tatsächlich mal?

Wir haben es schon häufiger gesagt: Diese Wahrnehmung von außen, die gab es bei uns in dieser Art und Weise nicht. Auch wenn wir natürlich wissen, dass immer wieder Dinge auf uns projiziert werden. Wir haben eine offene Feedbackkultur und wir haben gemeinsam sehr intensive Gespräche geführt. Aber die Gespräche waren nicht geprägt von einem Weg von einem bestimmten Zustand weg, sondern hin zu einem anderen, besseren Zustand. Wir hatten immer ein tiefes Vertrauen in Skills und Wills von Stefan Leitl. Und wir wussten, wie er agiert, wie er agieren kann. Und an der einen oder anderen Stelle ist es dann auch unsere Aufgabe, gemeinsam mit den Gremien

Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Menschen performen können. Ich glaube, dass davon auch das gesamte Trainerteam und auch die Mannschaft, die Spieler, der Staff, Geschäftsstelle - eben die verschiedensten Bereiche des Klubs – profitieren.

Als Geschäftsführer eines sanierungsbedürftigen Traditionsklubs leben Sie in einem komplizierten Spannungsfeld: Einerseits leisten Sie hocheffektiv Sanierungsarbeit, doch die Stimmung rund um den Verein wird natürlich maßgeblich von der sportlichen Situation bestimmt.

Fußball ist ein unglaublich emotionales Stück unserer Gesellschaft, und diese Emotionalität tragen Fans und Begleiter ganz tief in sich. Aber wir sind hier nicht für die Emotionalität angestellt. Wir sind hier angestellt für Klarheit und wir sind dafür angestellt, Verantwortungsdiffusion zu beseitigen, aber auch Deutungshoheiten dementsprechend einzuordnen.

Wie füllen Sie diesen Auftrag im Alltag mit Leben?

Ich glaube, mein Mit-Geschäftsführer Ralf Huschen und ich sind in der Kommunikation nach außen gegenüber den Mitgliedern und Fans sehr klar. Genau diese Ehrlichkeit hat der Klub verdient und das haben auch die Menschen, die den Klub ausmachen, verdient. Wenn man sich dessen bewusst ist und wenn man sich auch darüber bewusst ist, dass man dann nicht immer das sagt, was jeder hören will und man dann auch mal nicht die beliebteste Person im Raum ist, dann ist das einfach eine tolle Aufgabe. Aber wir müssen tagtäglich beweisen, dass wir hier gemeinsam Zukunft gestalten können.

Wie viele Jahre könnte Hertha denn in der jetzigen Konstellation in der 2. Bundesliga spielen, ohne dass es wieder kritisch wird?

Wir sind auch in der zweiten Liga durchfinanziert. Hertha BSC hat eine Phase hinter sich, in der man erst ein Erstligist war. Dann war man ein gefühlter Erstligist. Langsam, aber sicher erkennt man die Realitäten an. Dann muss mehr strukturelle Schärfe rein. Und es gibt dann andere prozessuale Ausgestaltungen, aber grundsätzlich kann Hertha das auch in der zweiten Liga machen. Aber natürlich nicht, ohne dass sie sich weiter transformiert.

Ein hypothetisches Szenario: Am 30. Januar ist der 19. Spieltag der zweiten Liga. Einen Tag vor Transferende steht Hertha BSC auf einem Aufstiegsplatz und bekommt einen Spieler angeboten, der den Kader sofort verstärken würde - aber vier Millionen Euro kostet. Wie würden Sie reagieren?

(schmunzelt) Das ist sehr hypothetisch, aber man darf ja Hypothesen formulieren. Erstmal ist es unwahrscheinlich, dass solch ein Spieler in der Wintertransferpause einem Zweitligisten für diese Summe angeboten wird. Für uns wäre das auch gar nicht machbar. Wir würden uns sehr wohl intensiv damit beschäftigen. Ich gehe aber davon aus, dass wir diesen Spieler aufgrund unserer Kaderstrategie bereits im Vorfeld gekannt hätten. Dann hätten wir schon am 1. Januar sagen können: "Finde ich super, aber du bist momentan nicht finanzierbar. Nur wenn du Abstriche machst, wäre das möglich."

Sie haben den Kern meiner Frage ein bisschen umschifft.

(lacht) Aber gut, oder?

Absolut, ja. Aber meine Frage ist natürlich: Würden Sie in dieser Situation mit der vagen Aussicht auf einen Aufstieg, den aber niemand garantieren kann, ins wirtschaftliche Risiko gehen?

Und das ist genau das, was ich meine. Wir müssen der Emotionalität fernbleiben. Ja, das Risiko ist hochgradig emotional und wir wissen, dass wir keine Transferkosten zahlen können. Das ist eine mit den Gremien ganz klar abgestimmte Strategie. Man kann sich solche Dinge wünschen und man muss diese Dinge auch ernsthaft prüfen. Aber wenn Sie mich jetzt so fragen, ist Hertha aktuell nicht in der Lage, vier Millionen Euro Transferkosten zu bezahlen. Das heißt nicht, dass wir nicht gesund sind, sondern dass wir es einfach nicht können.

Wir müssen gegen Ende natürlich noch über Fabian Reese sprechen, auch wenn Sie es in den letzten Tagen schon viel getan haben. Ihr ehemaliger Publikumsliebling hat den Klub nach Wolfsburg verlassen – und wird derzeit in den Arenen der Liga heftig ausgepfiffen.

Es ist tatsächlich ein sehr strapaziertes Thema und ich würde mir für Fabian wünschen, dass dieses Thema dann auch endlich mal vom Tisch ist. Ein Wechsel von einem Verein zu einem anderen Verein ist Teil des Wirtschaftssystems Fußball. Genauso agieren Fußballvereine, genauso agiert die gesamte Fußballwelt.

Und die Anhänger reagieren emotional.

Wenn Sie Ihren Kapitän verlieren, einen feinen Kerl, der drei Jahre hier einen tollen Job gemacht hat, dann denken Sie natürlich zweimal darüber nach. Und dann muss das Angebot, das von dem aufnehmenden Verein auf den Tisch gelegt wird, auch werthaltig genug sein, dass wir sagen: "Jawohl, unter diesen Rahmenbedingungen gehen wir diesen schweren Weg mit." Und das ist passiert.

Das Thema nimmt Sie mit.

Es gab ja viel mehr Transferbewegungen als Fabian Reese und deshalb verstehe ich die gesamte Aufregung nicht so ganz. Wir waren mit dem Transfer von den finanziellen Rahmenbedingungen her sehr zufrieden. Und wir wünschen Fabi alle nur das Beste auf seinem sportlichen und privaten Weg. Und ich glaube, er wünscht uns auch nur das Beste. Wir haben uns beim Abschied die Hand gegeben und haben uns umarmt, so wie man das macht als ordentliche Menschen. Ich hoffe, dass diese Pfeifkonzerte endlich einmal aufhören und er sich auf Fußball konzentrieren kann.

Der Transfer hat aber natürlich für den Verein wirtschaftlich und emotional eine herausgehobene Wichtigkeit.

Aber wie wichtig war der Transfer von Michael Cuisance? Wie wichtig war der Transfer von Tjark Ernst? Wie wichtig war der Transfer von Marten Winkler? Wie wichtig war der Transfer von Kennet Eichhorn? Alles Spieler, die wir geliebt haben, die wir hier auf Händen getragen haben, die uns unglaublich schöne Momente gegeben haben. Wir hatten über 15 Transferbewegungen. Alle waren wichtig, sowohl für uns als auch für die Spieler. Deshalb möchte ich dieses Brennglas von einem Einzelnen wegnehmen. Wir sind in einem Konsolidierungsprozess. Wir sind in einem Transformationsprozess. Das ist kein Wunschkonzert. Und deshalb sind alle Spieler, die gegangen sind und jeder Spieler, der gekommen ist, für uns und für den Klub total wichtig. Und deshalb möchte ich einfach nicht nur über einen Fabian Reese reden. Jeder Spieler, den wir nicht namentlich benennen, fällt hinten weg. Und das haben sie nicht verdient.

Zuletzt hat Hertha mit vereinten Kräften einen großen Schritt in Richtung eines neuen Fußballstadions erkämpft. Wie nah ist das denn nun wirklich? Und wie wichtig ist der Abschied vom Olympiastadion auf dem Weg zur Konsolidierung?

Wenn Sie die Konsolidierung mit einer Größe angehen, bei der Sie nicht eigener Herr sind, weil Sie nämlich Genehmigungen dazu brauchen, dann wäre das eine recht naive Strategie. Es ist ein emotionaler Fakt, der uns gut zu Gesicht stehen würde, der vielleicht auch in der einen oder anderen Stelle neue Erlösquellen generieren würde. Überhaupt keine Frage. Diese eigene blau-weiße Heimat, das ist das eine Thema. Das andere Thema ist die Einordnung: Was wir jetzt nach einem vierjährigen Prozess von der Expertenkommission mitgeteilt bekommen haben, ist, dass wir eine Bauvoranfrage stellen können. Und diese Bauvoranfrage dürfen Sie nur stellen, wenn der Eigentümer des Geländes Ihnen die Zustimmung dafür gibt. Und diese Zustimmung haben wir erhalten.

Und dann ist das ersehnte eigene Stadion ganz nah?

Mit der Bauvoranfrage bekommen wir eine größere Gewissheit, was wir auf diesem Gelände bauen dürfen, welche Auflagen es gibt, welche Rahmenbedingungen zu erfüllen sind. Und es gibt uns die Möglichkeit, mit ganz spitzem Bleistift zu rechnen. Dann werden wir sehen: Ist es unter diesen Rahmenbedingungen realisierbar, ein blau-weißes Stadion zu bauen? Auf Basis der Bauvoranfrage wird es in die weiteren Entscheidungsrunden hineingehen. Das wird sich dann auch wieder ziehen. Wir sind vorbereitet, aber wir sind ja da auch nicht alleine. Von daher ist das ein nächster Schritt, der notwendig ist, ein solch großes Objekt in der Hauptstadt Deutschlands zu realisieren.

Herr Dr. Görlich, Sie feiern dieser Tage ein kleines Jubiläum: ein Jahr Geschäftsführer bei Hertha BSC. Wie dramatisch war denn die Lage, die Sie vorgefunden haben und was haben Sie jetzt schon geschafft?

Ach, dramatisch. Man weiß ja, auf was man sich einlässt. Drum prüfe, wer sich bindet. An der einen oder anderen Stelle sind Sie dann schon überrascht über Prozesse. Wir haben aber, glaube ich, die richtigen Themen mit dem größten Hebel identifiziert. Aber wir sind noch lange nicht am Ende. Die Transformation, die wir angekündigt haben, wollen wir gemeinsam weiterführen. Wir haben noch vieles zu tun und noch einige Meter zu gehen. Aber wenn wir als Gesamtgruppe zusammenhalten und den respektvollen Diskurs pflegen, glaube ich, dass wir das ganz gut hinkriegen.

Mit Dr. Peter Görlich sprach Till Erdenberger

Verwendete Quelle: ntv.de