Was macht Klopp jetzt?

Loris Karius' sensationelle Parade gegen Harry Kane sorgt für Diskussionen

imageVon Tobias Nordmann, Gelsenkirchen
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Loris Karius ließ den FC Bayern mit seinen Paraden verzweifeln. (Foto: AP Photo/Martin Meissner)
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07.09.2026 | 11:12 Uhr
Der FC Bayern lässt beim FC Schalke 04 überraschend Punkte liegen. Die Münchner spielen nicht so zielstrebig wie sonst, haben aber trotzdem Top-Chancen. Die vereitelt Loris Karius teilweise spektakulär. Führt sein Weg nun zu Jürgen Klopp?

Die Parade, die dem FC Bayern den letzten Nerv geraubt hatte, schaffte es bis nach Spanien. Und dort wurde sie gewohnt wortreich beweihräuchert. Loris Karius hatte einen brillanten Distanzschuss von Superstürmer Harry Kane spektakulär über die Latte gelenkt. Der Rekordmeister sei an einem "unerwarteten Helden zerschellt", rief die "Mundo Deportivo" begeistert. Seine Großtat sei "eine der besten Paraden seiner Karriere gewesen". 

Der Torwart hatte seinem FC Schalke 04 beim 0:0 einen unerwarteten Punkt gegen den Topfavoriten gesichert, der die Gelsenkirchener in den vergangenen Jahren so oft gequält hatte. An diesem Samstagabend drehten die Königsblauen die Dinge. Sie ließen den FC Bayern leiden. Lästig wie Fliegen hängten sie sich an die Münchner und wenn diese die königsblauen Insekten doch mal abschütteln konnten, dann war da noch Karius.

Schon vor der heroischen Parade in der 87. Minute hatte sich der Torwart um die Trophäe "Man of the Match" beworben. Er hatte Nathaniel Brown und Michael Olise mit herausragenden Reaktionen am Torjubel gehindert. Karius hatte Schalke nach der ernüchternden Auftaktpleite beim neuen Bundesliga-Tabellenführer FC Augsburg die Aufstiegseuphorie gerettet. Und alle Szenarien von Horrorergebnissen wegpariert. Gemeinsam, das war ihm ganz wichtig, mit seinen Vorderleuten, die in diesem gigantischen Duell der Ungleichheit überraschend viel Gewicht auf die Waage brachten. Sie verzichteten auf den Ball und kümmerten sich nur um den Kampf.

Langer Kampf zurück an die Spitze

Auf Schalke schrieben die Torhüter beider Mannschaften am Samstagabend ihre jeweils eigene Geschichte. Und diese Geschichte könnte in wenigen Wochen zu einem bemerkenswerten Ende führen. Karius hatte sich erneut ins Rampenlicht geflogen, aus dem sich Bayerns Titan Manuel Neuer mehr und mehr verabschiedet. Auch wenn er seine Karriereende nach dieser Saison noch nicht endgültig ausgerufen hat, so sehr rollt er der Endgültigkeit den roten Teppich aus. In der Schalke-Arena, so sagte er, werde er wohl nicht noch einmal spielen. Hier, wo ihm wieder die Wut der Fans entgegengepfeffert kam. Den Bayern-Wechsel haben sie ihm nie verziehen.

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Neuer Bayern-Star Saibari: "Wie ein schlechter Kane"

Dabei war Neuer aufgebrochen, um die Welt erfolgreich zu erobern. Das hatte auch Karius einst getan, als er den VfB Stuttgart als Top-Talent verließ. Über mehrere Wege wurde er die Nummer eins beim FC Liverpool. Nie ganz unumstritten, ehe das dramatische Champions-League-Finale 2018 kam. Karius erlebte die schwärzeste Stunde seiner Karriere. Zwei folgenschwere Patzer unterliefen ihm. Liverpool verlor gegen Real Madrid. Dass er im Spiel nach einem Schlag von Sergio Ramos eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, was erst im Nachgang bekannt wurde, linderte den Spott, den er ertragen musste, nur wenig. Karius erhielt nach dem Spiel sogar Morddrohungen.

Die Karriere war gebrochen. Und Karius brauchte lange, um wieder ein Spitzentorwart zu werden. Das gelang ihm erst, nachdem er sich im Januar des vergangenen Jahres den Schalkern anschloss. Erst nur als Herausforderer von Justin Heekeren. Doch der Rollenwechsel passierte schnell, schon im Februar verdrängte er die vormalige Nummer eins. Auf Schalke war Karius zunächst kritisch beäugt worden. Er ist ein Posterboy, ein schillernder Typ, verheiratet mit der italienischen Moderatorin Diletta Leotta. Viel Glamour und in den Jahren zuvor wenig Leistung, puh.

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Schalke-Fans nach Punkt gegen Bayern besoffen vor Glück

Klopp sah ihn schon live im Stadion

Aber Karius parierte schnell alle Zweifel weg. In der vergangenen Aufstiegssaison, in der Schalke zunächst nur wenig zugetraut worden war, sicherte er mehrfach wichtige Punkte. Gemeinsam mit Bochums Timo Horn war Karius der beste Torwart der 2. Bundesliga. Und er rettete seine Topform in die neue Saison. Schon in Augsburg war er im Eins-gegen-eins mehrfach herausragend, auch wenn ein schwacher Abwurf den Rückstand eingeleitet hatte. An Karius führt auf Schalke kein Weg vorbei. Nicht mal der von Kane. Und nicht mal der von Jürgen Klopp? Der hatte ihn beim Auftaktspiel in Augsburg immerhin live sehen können.

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Miron Muslic und Loris Karius jubeln. (Foto: IMAGO/Maximilian Koch)

Der neue Bundestrainer hat nach dem nächsten WM-Debakel der Nationalmannschaft einiges aufzukehren und neue Hierarchien aufzubauen. Vor allem im Tor. Manuel Neuer ist, Stand jetzt (kleiner Scherz), Geschichte im DFB-Team. Der Kampf um den Platz ist offen. Womöglich nimmt ihn Oliver Baumann direkt wieder ein, der den Platz für die Weltmeisterschaft unter heftig diskutierten Umständen wegen Neuer hätte räumen müssen. Womöglich kehrt aber auch Marc-André ter Stegen zurück. Der ewige Pechvogel glänzt derzeit nach langer Verletzung im Trikot von Ajax Amsterdam. Auch Alexander Nübel telegrafiert starke Schlagzeilen aus der Türkei an Klopp. Und Jonas Urbig ist als Nachfolger von Neuer beim FC Bayern auch ein garantierter Kandidat fürs DFB-Team.

"Darüber denke ich gar nicht nach"

Und was ist mit Karius? Ansprüche erhebt der 33-Jährige nicht. Die Fußball-Experten debattierten ihn nach seiner Gala gegen die Bayern direkt ins DFB-Team. "Darüber denke ich gar nicht nach, um ehrlich zu sein. Ich bin glücklich, wieder Bundesliga zu spielen, versuche Woche für Woche meine Leistung zu bringen", sagte Karius und teilte sich die Heldenrolle lieber artig mit seinen Vorderleuten. "Ich musste eigentlich nur schreien: weiter, hoch, runter, zurück. Hut ab, was die Jungs da abgespult haben." Ein bisschen viel Understatement war das schon.

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Karius sei "überragend", sagte Trainer Miron Muslic. Und selbst Neuer musste neidlos anerkennen: "Wir hatten drei Großchancen, die hat er vereitelt. Das war der Schlüssel dazu, dass wir das Spiel nicht gewinnen." Dem tüchtig Geadelten war der ganze Ruhm augenscheinlich unangenehm. Er beschwor lieber den Schalker Teamgeist. "Die Jungs haben wirklich geackert bis zum Gehtnichtmehr. Das sind wir, das zeichnet uns aus. Heute kann jeder stolz auf seine Leistung sein." Dabei immerhin schloss er sich selbst mit ein.

Verwendete Quelle: ntv.de