Rekordgehalt für 33-Jährigen?

FC Bayern sendet mit Harry Kane eine Kampfansage an Europas Elite

imageVon Stephan Uersfeld
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Harry Kane hat verlängert. Was bedeutet das für Michael Olise? (Foto: picture alliance / abaca)
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05.11.2026 | 13:15 Uhr
Harry Kane ist nicht nur der beste Fußballer der Welt, sondern wird jetzt auch mit Geld zugeschüttet. Er soll nach seiner Vertragsverlängerung der bestbezahlte Fußballprofi Europas sein. Klingt wild. Ist es aber nicht. Er ist ein Fußball-Revolutionär und ein Leuchtturm für zukünftige Bayern-Transfers.

Harry Kane ist verliebt. Nicht nur in seine Familie. Auch in den Verein, der immer davon spricht, eine Familie zu sein. Für den Kapitän der englischen Nationalmannschaft ist das so. Anders lassen sich seine Worte nicht interpretieren. Er sagt im Rahmen seiner Vertragsverlängerung bis 2029 folgende Worte: "Ich fühle mich beim FC Bayern wie zu Hause: Ich liebe den Verein, die Fans, die Stadt München - wir haben ein fantastisches Team und in Vincent Kompany einen fantastischen Coach. Es macht mich sehr stolz, Teil dieses Vereins zu sein. Meine ganze Familie ist hier sehr glücklich, ich wollte gerne bleiben, freue mich jetzt auf die Zukunft und möchte mit diesem großartigen Verein noch viele Titel gewinnen."

Natürlich: Es ist viel PR-Sprache. Es ist die Begleitmusik einer lange erwarteten, kaum überraschenden Vertragsverlängerung einer der ungewöhnlicheren Beziehungen im Weltfußball. So zumindest erschien es damals, als Kane mit lautem Getöse seine Heimat, Tottenham Hotspur, verließ und im Sommer 2023 ausgerechnet in die "Farmer League", die Bundesliga, wechselte. Es war die beste Entscheidung seines Lebens und die beste Entscheidung, die der FC Bayern treffen konnte.

Drei Jahre später ist Harry Kane der König des Fußballs. Erst im vergangenen Monat wurde er zum Sieger des Ballon d'Or des Jahres 2026 gekürt. Als erster englischer Spieler seit 25 Jahren, als erster Bundesliga-Profi seit 30 Jahren und als erster Bayern-Star seit den 1980er-Jahren. Drei Jahre später hat sich Harry Kane in die Geschichtsbücher geballert, das Rekordbuch der Bundesliga neu geschrieben und dabei nie die Bodenhaftung verloren.

Erfolg war immer woanders

Harry Kane lässt sich sein Harry-Kane-Sein jetzt auch noch ordentlicher bezahlen. Der Engländer soll als Grundgehalt mehr verdienen als alle anderen Spieler Europas, sagt "The Athletic". Sky spricht von einem Jahresgehalt von 25 Millionen Euro. Eine Menge Geld für den Weltstar, der mit 33 Jahren längst im letzten Drittel seiner Karriere angekommen ist. Doch was bedeutet das schon in diesen Jubelwochen?

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Kane bleibt bis 2029 beim FCB: "Ein großartiges Zeichen"

Die Bundesliga kann es kaum fassen, dass sie Kane hat. Die englische Nationalmannschaft kann es kaum fassen, dass sie Kane hat. Auch dort frisst er alle Rekorde auf. Die meisten Tore, die meisten Spiele? Die Antwort lautet immer Kane. Beide, die Bundesliga und die Three Lions, haben etwas gemeinsam. Im internationalen Kontext werden sie respektiert, aber erfolgreich sind sie selten. Der FC Bayern zieht alle paar Jahre mal ins Finale der Champions League ein. Mehr ist das nicht.

International fokussiert sich alles auf die Premier League, auf den Katar-Klub PSG in Frankreich und natürlich die spanischen Superklubs Real Madrid und Barcelona. Im Weltfußball ist es nicht anders. Die Three Lions erreichen vielleicht mal ein Finale. Trophäen gibt es nicht. Seit 1966. Seit 60 Jahren. All das spiegelt sich immer auch wider. In den TV-Erlösen, in der Aufmerksamkeit und in Aufmerksamkeitspreisen wie dem Ballon d'Or. Der FC Bayern konnte erfolgreich sein, wie er wollte. Den Preis gab es nicht. Nicht für Robert Lewandowski, nicht für Franck Ribéry. Die englische Nationalmannschaft war nicht einmal erfolgreich. Wenn ein Premier-League-Spieler mal den Preis gewann, dann war er Portugiese wie Cristiano Ronaldo oder Spanier wie Rodri.

FC Bayern platzt vor Stolz

Es sind Dekaden der Dominanz anderer Ligen und anderer Nationen. Harry Kane hat diese gebrochen. Weil er in den vergangenen Jahren ganz langsam das Spiel verändert und dabei eben einen Weg genommen hat, über den noch vor drei Jahren gelacht wurde. Auch in der Bundesliga. Heute klingt das alles ganz anders. Hören wir dazu den zukünftigen König des United Kingdoms. Der äußerte sich kürzlich zu Kane, als er in London den Ballon d'Or abräumte.

"Was für eine fantastische Leistung und so wohlverdient. Ein brillanter Kapitän, ein bemerkenswerter Spieler und jemand, der Fußballfans auf der ganzen Welt so viele unvergessliche Momente beschert hat", teilt der Prinz, ein glühender Anhänger von Aston Villa und noch glühenderer Anhänger der englischen Nationalmannschaft, mit. Die Welt liegt dem demütigen Kane also zu Füßen, der mit Smoking und Fliege auf der Gala in London nur noch "wow, wow, wow" sagen konnte und mit einer Rede für einen Moment die Glitzerwelt der Stars störte. Weil er in seinen Danksagungen an alle dachte. Seine Mitspieler, seine Trainer, seine Familie.

Auch beim FC Bayern platzten sie vor Stolz. Sie waren so viel Risiko eingegangen im Sommer 2023. Jetzt sammelten sie die Früchte. Der Klub sei "eine Bühne für Weltklasse", verkündete Sportvorstand Max Eberl, Kane sei ein "Vorbild für alle, weit über das Spiel hinaus", ergänzte CEO Jan-Christian Dreesen. Beide erhielten Rückendeckung vom Ligaverband. "Niemand hat den Ballon d'Or 2026 mehr verdient als Harry Kane. Es ist eine riesige Freude, ihn Woche für Woche in der Bundesliga spielen zu sehen", sagten die Geschäftsführer Marc Lenz und Steffen Merkel in einem gemeinsamen Statement.

Die Bayern wissen, warum sie Kane holen

Die Geschichte des Erfolgs von Harry Kane ist eine, die so richtig im Sommer 2023 beginnt. Sie ist eine, die von Mut und Treue handelt. Der FC Bayern hat gerade mit großer Mühe den Bundesliga-Titel gewonnen, den Abgang Robert Lewandowskis in Richtung Barcelona im vorherigen Sommer jedoch nicht verkraftet. Der für ihn verpflichtete Sadio Mané ist ein Flop und schon wieder auf dem Weg aus der Tür. Als die Gerüchte um einen möglichen Kane-Transfer aufkommen, sind alle verblüfft.

Was will ein Top-Star aus England beim FC Bayern, was will er in der Bundesliga und wieso um Himmels willen ist der FC Bayern bereit, 100 Millionen Euro für einen alternden Stürmer ohne großen Wiederverkaufswert auf den Tisch zu legen? In Deutschland reiben sich die Kritiker die Hände. Diese 100 Millionen Euro sei Kane allein schon aufgrund seines Alters nicht wert, verkündet Stefan Effenberg stellvertretend für eine Heerschar an Zweiflern.

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Hier wirbelt Harry Kane - alle Saison-Treffer in 2 Minuten

In der Bundesliga selbst ist das damals schon anders. "Harry Kane ist der Kapitän der englischen Nationalmannschaft und einer der Rekordtorjäger der Premier League. So ein Zugang verleiht der Liga Prestige", schwärmt Eberl in der "Süddeutschen Zeitung". Da ist er überhaupt noch kein Angestellter des FC Bayern, er ist nach erfolgreichen Jahren in Gladbach auf Stippvisite bei RB Leipzig. Aber er ahnt, was das alles bedeutet. Die Bayern sind sich bewusst, was sie getan haben.

Die unglaubliche Perfektion des Harry Kanes

"Wir haben uns natürlich nach der Decke gestreckt. Wir sind da ein Stückchen All-in gegangen. Aber natürlich immer in einem Rahmen der wirtschaftlichen Vernunft. Das ist Teil unserer DNA", sagt Dreesen. Auch wenn Effenberg und Co. das zu diesem Zeitpunkt bezweifeln. "Wir haben nie gezweifelt an Harry, er hat immer zu seinem Wort gestanden. Wir sind stolz darauf, dass er sich für uns entschieden hat. Das zeigt, dass er uns Titel und internationale Wettbewerbsfähigkeit zutraut." Eine Vorahnung.

Vielleicht wissen sie da bereits, was für einen Spieler sie sich ins Haus geholt haben. Der Rest der Bundesliga weiß das nicht. Sie staunt. Kane ist einer, der in den kommenden Jahren das Angriffsspiel neu definieren wird. Statt einer Nummer 9 bekommt der Superklub einen Spielgestalter, Allesarbeiter und Torjäger in einem. All das zeigt er schon vorher bei Tottenham Hotspur, wo er sich ebenfalls häufig hinter die Mittellinie fallen lässt, Angriffe einleitet und abschließt. Doch im Biotop Bundesliga wird es immer extremer.

Noch nicht unter seinem heutigen Nationaltrainer Thomas Tuchel, aber ab 2024 unter Vincent Kompany. Kane ist überall, überragt als Torschütze, überragt in der Zentrale und eilt plötzlich immer weiter zurück, spielt bald als linker Verteidiger, dann hinter der Abwehrzentrale und leitet mit Abstößen Angriffe ein. Kane wird immer mehr zu einem Visionär des Spiels. Er findet Räume, die niemand sieht, und erzielt Tore aus unmöglichen Situationen, dann schaut er auf den Ball, dreht seinen Körper ein und sendet den Ball mit Wucht und Präzision an Orte im Tornetz, die Torhüter noch nie gesehen haben.

Sein Spiel ist so anders als das der anderen Superstars. Es ist eines, das alle Elemente des Fußballs in sich vereint und wohl in den kommenden Jahren viele Nachahmer finden wird. Kane ist ein Revolutionär des Spiels. So wie Manuel Neuer einst das Spiel des Torhüters in Richtung Mittellinie verlagert hat, so verlagert Kane das Spiel der Angreifer tief in die eigene Hälfte.

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Freude sieht anders aus. (Foto: picture alliance / SvenSimon)

Ein Fluch, ein gottverdammter Fluch

Er ist ein Revolutionär, der dafür einen außergewöhnlichen Weg wählen muss. Einen, den er wohl aus Liebe wählt. Liebe zu dem Klub, den er verlässt. Mit 30 Jahren lässt er im Sommer 2023 seine Lebensliebe sitzen. Er will endlich einen Titel gewinnen. Mit seinem Klub, Tottenham Hotspur, ist ihm das nicht gelungen. Einmal kommt er dem ganz großen Preis nahe. Doch im Finale der Champions League im Jahr 2019 ist Jürgen Klopps Liverpool im Estadio Metropolitano zu stark. Die Stars der Reds, Mo Salah und Divock Origi, treffen an den Enden des Spiels in der 2. und 87. Minute, Kane bringt es auf einen Torschuss und gerade einmal 13 Pässe über insgesamt 97:05 Minuten Spielzeit. Danach wird es mit den Spurs nicht besser.

Aber wohin soll es gehen? In England gibt es für ihn keinen anderen Verein. Der in London geborene Kane liebt seinen Verein. Es ist ausgeschlossen, dass er sich Manchester City und Co. anschließt. Da ist er dem ehemaligen Dortmunder Marco Reus sehr ähnlich. Auch der wollte seinen Herzensklub innerhalb der Liga nie verlassen, obwohl ihn dies wohl eine noch größere Karriere kostete.

Kane aber hat die noch vor sich. Er will sich verändern und die Bayern sind mutig, sehr mutig. Sie machen ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen will. Das macht die Spurs-Legende auch intern deutlich. Die Vereinslegende habe "klargemacht, dass er eine neue Herausforderung" wolle und bei den Spurs keinen neuen Vertrag unterschreiben werde, erklärt der ernüchterte Klubboss Daniel Levy im August 2023: "Wir haben seinem Transfer deshalb widerwillig zugestimmt." Etwas anderes bleibt den Spurs nicht übrig. Kane ist auf der Suche. Denn über allem schwebt ein großer Fluch. Der Angreifer mag zwar viele Tore schießen, aber seine Mannschaften gewinnen keine Titel.

Auch mit den Three Lions, der englischen Nationalmannschaft, ist das nicht anders. Sie gewinnt ohnehin keine Titel. Daran kann niemand etwas ändern. Das ist seit 1966 und vielleicht für immer so. Kane kommt bei der paneuropäischen EM 2021 zwar ins Finale, scheitert dort jedoch im heimischen Wembley im Elfmeterschießen an Italien. Ein Jahr später bei der WM in Katar vergibt er im Viertelfinale gegen Frankreich beim Stand von 1:2 in der 84. Minute einen Elfmeter.

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In Katar sendet Kane den Ball übers Tor. (Foto: IMAGO/Moritz Müller)

Der Mut zahlt sich vielfach aus

Der Kane-Curse ist real. Sogar nach seinem Wechsel zum FC Bayern kann er den Fluch nicht abschütteln. In seiner ersten Saison geht erst das Supercup-Finale - Kanes Wechsel war am selben Tag vollzogen worden, Kane wurde in der 62. Minute eingewechselt - verloren, im DFB-Pokal fliegt er dann mit den Bayern in der zweiten Runde in Saarbrücken raus. In der Champions League ist im Halbfinale Schluss und in der Bundesliga ist Bayer Leverkusen unbesiegbar. Mit den Three Lions reicht es bei der EM in Deutschland wieder fürs Finale. In Berlin ist Kane erneut unsichtbar, Spanien gewinnt mit 2:1. Alles wie immer.

Kane aber macht weiter, wird immer besser. Die Tore fallen, er ist auch in den großen Spielen da. Beim FC Bayern und bei den Three Lions, die er im Sommer 2026 mit sechs Treffern, darunter beim 2:1 gegen die DR Kongo eines seiner besten Tore überhaupt, auf Rang drei führt. Besser war England seit 1966 nicht. Nach dem Achtelfinale gegen Mexiko in Mexiko verliert er seine Stimme. Er, der immer zurückhaltend und höflich wirkt, hat einfach zu viel gesungen. Er weiß, dass sich alles gelohnt hat. Dass er nie mehr Liebe erfahren hat als in seinem Land und in seiner neuen Heimat Deutschland, die ihn längst umarmt hat. Ganz anders als seinen Vorgänger, den kalten Lewandowski. Kane passt perfekt. Ehrfurchtsvoll wird sein Name eingedeutscht. Aus Harry wird manchmal Hartmut. Denn einen wie ihn hatte die Bundesliga wohl noch nie.

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So kennt man Kane aus der Bundesliga. (Foto: IMAGO/DeFodi)

Ein Signal für Michael Olise

"Das ist ein stolzer Tag für den FC Bayern. Harry Kane kann alles - und er schießt Tore, Tore, Tore. Er steht nun in einer Reihe mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge - das sagt alles über unsere Geschichte aus: Der Verein und Harry Kane haben zusammengefunden, sind zusammengewachsen und erreichen zusammen die allerhöchsten Ziele", sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer nach dem Gewinn des Ballon d'Or. Außerhalb der Bayern haben daran wenige geglaubt. Bayerns Mut hat sich vielfach ausgezahlt und mutig bleiben sie auch mit diesem neuen Vertrag, der auf den ersten Blick erstaunlich wirkt.

Auch das ist ein Signal an die Welt des Fußballs: In München lässt es sich nicht nur formidabel leben, viel besser wahrscheinlich als in Manchester zum Beispiel. In München lassen sich auch Titel gewinnen. In der Bundesliga sowieso, aber vielleicht auch mal in Europa, und in München kann man auch individuelle Auszeichnungen gewinnen und dabei sehr gut verdienen. Die Weltstars schauen interessiert und verblüfft hin. Michael Olise sowieso. Auch den muss der FC Bayern noch verlängern. Die Verlängerung mit Kane ist nichts anderes als eine Kampfansage an die europäischen Eliteklubs. Der Revolutionär hat die Gesetze des Fußballs gesprengt.

Verwendete Quelle: ntv.de