Alexander Blessin zuckte mit den Schultern, den "Knackpunkt" beim nächsten Rückschlag sprach er schonungslos an. "Es ist einfach dumm", sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach über den Platzverweis von Ko Itakura, "weil wir durch so ein Missgeschick, durch so einen blöden Fehler in Unterzahl geraten sind." Denn: Hätte der Tabellenletzte die Partie beim Hamburger SV (1:3) mit elf Spielern beendet, "hätten wir auf jeden Fall etwas geholt".
Itakura hatte in der 38. Minute Gelb gesehen. In der Halbzeit sei dies explizit angesprochen worden, betonte Sportchef Rouven Schröder. Dennoch kam der Japaner nur vier Minuten nach Wiederanpfiff gegen Albert Grönbaek zu spät - und sah beim Stand von 1:1 von Sven Jablonski Gelb-Rot. Für das Bundesliga-Schlusslicht Gladbach war Itakuras Gelb-Rote Karte bereits der dritte Platzverweis in den elf Pflichtspielen dieser Saison.
"Im Nachgang bist du immer schlauer", sagte Blessin bei Sky auf die Frage, ob er Itakura in der Pause besser ausgewechselt hätte. "Da kann man sich jetzt klug rausreden. Du denkst, er ist ein erfahrener Spieler." Es gehe aber nun nicht darum, "ihn abzustempeln". Schröder wurde dennoch ebenfalls deutlich: "Das weiß der Ko selber, das ist natürlich schlecht."
Besser war die Laune wenig überraschend bei den Gastgebern. "Wir haben alles reingeworfen", freute sich Trainer Merlin Polzin. Zuletzt hatte man sich ein wenig sorgen müssen um die Bundesliga-Tauglichkeit des HSV. Drei Pflichtspielniederlagen in Folge setzte es, und auch spielerisch lief dabei kaum etwas zusammen. "Wenn du eine Woche lang nur verlierst, viel abbekommst an Kritik - teilweise auch zu Recht - dann ist das nicht selbstverständlich", sagt Polzin mit Blick auf die zurückliegende "englische Woche" und drückte seinen "Respekt" für die Mannschaft aus.
Dass der HSV in dieser Saison nun gänzlich sorgenlos durch die Saison spazieren wird, das ließ sich in diesen Erfolg gegen das Schlusslicht aber nicht interpretieren. "Wir waren noch nicht so sattelfest, was die Kontrolle angeht", befand auch Polzin, dessen Team dem Gegner durch individuelle Fehler immer wieder etwas anbot. Für den vierten Saisonsieg reichte es trotzdem, auch weil Miro Muheim schon wieder ein Traumtor aus der Distanz gelungen war. Und weil auch der 19 Jahre alte Verteidiger Shafiq Nandja erstmals traf.
"Die ganze Mannschaft freut sich für ihn", sagt Muheim, "er ist ein Hamburger Jung, zu Hause sein erstes Tor zu machen ist Wahnsinn!" Emotional sehr ergriffen sprach Nandja von dem "besonderen Abend". Die Jubelszenen bezeichnete er als "schönsten Moment in meinem Leben".

