Junger Debütant? Oder längst ein alter Hase? David Móré vereint beides. Mit 22 Jahren debütierte er am Donnerstag in der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Dabei spielt er schon seine sechste Saison in der Bundesliga. Schon mit 17 Jahren konnte er sein Talent zeigen, nach einer Flaute startet Móré aber erst jetzt so richtig durch.
Er hat die beste Wurfquote aller Linksaußen in der Liga. 41 seiner 45 Versuche landeten in den bislang elf Spielen im Tor. Macht mehr als 91 Prozent. Die perfekten 100 Prozent schaffte er bei seinem DHB-Debüt mit vier Toren aus vier Versuchen beim 42:32-Sieg gegen Belgien. Es sind Zahlen, die natürlich auch Bundestrainer Alfred Gislason nicht verborgen blieben. "Móré hat bislang eine überragende Saison gespielt", sagte der Isländer. Und fügte eine kleine Einschränkung an: "Aber das ist eigentlich die Saison, die wir vor drei Jahren bei ihm erwartet haben. Er war ein riesiges Talent. Jetzt hat er offensichtlich ein sehr gutes Umfeld für sich in Eisenach gefunden."
Denn Móré brauchte einen Vereinswechsel, um wieder in die Spur zu finden. Seit diesem Sommer spielt er beim ThSV Eisenach. Dort trainiert er wieder unter Sebastian Hinze, den er schon aus der gemeinsamen Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen kennt. Dort, wo Móré 2020 ins Sportinternat gezogen war, wo er in der Jugendakademie zum Junioren-Nationalspieler wurde, wo er die A-Jugend-Meisterschaft gewann und im Februar 2022 als gerade mal 17-Jähriger in der Bundesliga debütierte.
"Bleibt mir für immer im Kopf"
Der Sohn eines ungarischen Handballers profitierte dabei vom Pech der anderen - aufgrund von Verletzungen war der Teenager plötzlich der einzige Linksaußen im Kader. Móré nutzte die Chance, warf beim Remis gegen den HC Erlangen fünf Tore und absolvierte sechs weitere Spiele in der Saison. Im Sommer 2023 wurde er unter Hinze fester Bestandteil des Bundesliga-Teams und als plötzlich Weltklasse-Außen Uwe Gensheimer ausfiel, bekam er richtig viel Spielzeit. Gensheimer - einst DHB-Kapitän, jetzt wieder Sportdirektor bei den Löwen - die Fußstapfen waren groß. Erst einmal zu groß, die Löwen holten andere Linksaußen ins Team, Móré rückte zunehmend auf die Bank. Bis eben Hinze und Eisenach anklopften.
Nun ist Móré nicht nur Bundesliga-Stammspieler, sondern auch ein Kandidat für die Heim-Weltmeisterschaft im Januar. "Ich probiere, alles reinzuhauen hier die letzten Tage und die nächsten zwei Monate in der Liga", so Móré. Denn sein Debüt vor 12.687 Zuschauern in Berlin hat Lust gemacht auf mehr. "Ich kann es noch gar nicht richtig in Worte fassen. Der Einlauf war echt besonders. Das bleibt mir für immer im Kopf."
Fernduell mit Champions-League-Siegern
Móré könnte mit seinen starken Leistungen dafür sorgen, dass eine Ära im DHB-Team zu Ende geht. Jahrelang hatte Gislason an Rune Dahmke vom THW Kiel festgehalten. Dieser war eine echte Konstante, ein Teamplayer, wichtig für die Gemeinschaft, gewiefter Balldieb und einer, der mit spektakulären Abwehraktionen Kollegen und Publikum anzünden konnte.
Ebenfalls über Jahre gesetzt im DHB-Team war Lukas Mertens vom SC Magdeburg, der im Verein aber gerade vom wiedererstarkten Kollegen Matthias Musche verdrängt wird. Auch der war einst Mitglied des DHB-Teams, hat es nach seinem Achillessehnenriss aber bislang nicht wieder in den Kader geschafft und ist inzwischen 34 Jahre alt. Alle genannten sind bereits Champions-League-Sieger. "Wir haben sehr viele gute Spieler, gerade auf der Rechtshänderposition", erklärte Gislason. Mertens sei "sehr erfahren" und habe für das DHB-Team bereits "sehr stabile, gute Turniere" gespielt, so der Bundestrainer bei ProSieben.
Sicher dabei sein dürfte Tim Freihöfer von den Füchsen Berlin. Vor dem EM-Qualifikationsspiel in Berlin wurde er mit dem EHF Excellence Award als bester Linksaußen Europas der vergangenen Saison geehrt. "Ich schaue mir bei ihm auch ein bisschen was ab", sagte Móré lobend. Denn der 24-Jährige - einer von acht U21-Weltmeistern 2023 im Kader von Gislason - hat sich zu einer echten Größe entwickelt, bringt konstant gute Leistungen. Mit 52 Toren in zehn Spielen hat Freihöfer in der Bundesliga bereits noch mehr Treffer auf dem Konto als Móré, brauchte dafür aber auch mehr Versuche. Nun bilden die beiden auch im zweiten EM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei am Sonntag (18 Uhr/sportschau.de) das Duo auf Linksaußen und können sich beim Bundestrainer beweisen. Es ist im engen Zeitplan der Handballer schon das letzte Spiel des Nationalteams vor der Kadernominierung.




