Handball-Nationalmannschaftskapitän Johannes Golla muss sich bei seiner geplanten Rückkehr zur SG Flensburg-Handewitt möglicherweise gedulden. "Wir wissen es schon seit einigen Wochen", sagte Jesper Larsson, Sportvorstand von Gollas derzeitigem Klub MT Melsungen, bei Dyn: "Wir müssen uns zusammensetzen und gucken, welche eventuelle Lösungen es gäbe. Fakt ist, dass Johannes einen Vertrag bis 2031 bei der MT hat. Was da am Ende herauskommt, müssen wir sehen."
Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der 28 Jahre alte Kreisläufer nach nur drei Monaten in Melsungen wieder zurück in den Norden will - aus familiären Gründen. Das bestätigten beide Klubs. "Es gab ein paar Vorgespräche mit Flensburg, ich habe mit Ljubomir Vranjes (Sportlicher Leiter Flensburg, d. Red.) darüber gesprochen, aber da haben sie eine Absage bekommen", sagte Larsson nun. Der Schwede betonte allerdings, es gebe "immer Möglichkeiten, aus einem Vertrag rauszukommen, aber dazu müssen wir uns nochmal zusammensetzen".
Zu genauen Vertragsinhalten wollte sich Larsson nicht äußern. Ene bestimmte Ablösesumme habe die MT jedoch nicht für Golla aufgerufen.
"Wenn man eine Klausel hat ..."
Flensburgs Vranjes ließ durchblicken, dass Golla eine Art Ausstiegsklausel haben könnte. "Wenn man eine Klausel hat, muss man das respektieren, sonst hätte man das ja nicht reingeschrieben", sagte der 53-Jährige, wollte aber nicht genauer über Vertragsinhalte sprechen.
Er stellte aber klar, dass Golla sich der Unterstützung der Flensburger sicher sein kann: "Natürlich unterstützen wir Johannes. Komisch wäre, wenn wir es nicht machen. Er ist eine Legende in unserem Verein. Er und seine Familie möchten gerne zurück nach Flensburg."
Golla war erst im Sommer nach acht Jahren in Flensburg nach Melsungen gewechselt, wo er bereits von 2015 bis 2018 gespielt hatte. Auch für diese Entscheidung hatte es familiäre Gründe gegeben. Golla würde durch den Umzug wieder näher an seiner südhessischen Heimat wohnen, hatte die MT im Dezember 2024 in einer Pressemitteilung erklärt.
Beim Heimspiel der MT gegen die TSV Hannover-Burgdorf am Samstagabend wurde Golla mit Pfiffen von den Melsunger Fans empfangen. Immerhin das Ergebnis stimmte versöhnlich. Melsungen gewann problemlos 28:22 (13:10).
Am Sonntagnachmittag meldete sich Golla via Instagram-Story zu Wort. Er verstehe die Enttäuschung der Anhänger seines neuen Klubs. Er verstehe auch, "die Aussage, dass Verträge erfüllt werden sollten", so der Kreisläufer. Er teilte aber auch emotional mit, wie schlecht es ihm derzeit geht. "Menschen, die mich gut kennen, haben längst gesehen, dass es mir nicht gut geht und dass es mittlerweile nicht mehr 'nur' Heimweh ist, sondern meine mentale Gesundheit ernsthaft gefährdet ist." Daher habe er das Gespräch mit dem Klub gesucht, in dem er sich "ehrlich und so verletzlich wie noch nie gezeigt" habe, so Golla.

