Kreml feiert großen Schritt

Umstrittene WM-Vergabe empört Ukraine und Deutschland

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"Russland muss als vollwertiges Mitglied in die Sportgemeinschaft zurückkehren, weil diese Gemeinschaft ohne die Teilnahme Russlands nicht vollständig funktionieren kann", erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow. (Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa)
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03.11.2026 | 12:06 Uhr
Der Gewichtheber-Weltverband sorgt mit der WM-Vergabe 2030 nach Russland für Aufsehen. Dem Kreml kommt die kontroverse Entscheidung gelegen. Der deutsche Sport äußert sich beunruhigt.

Der Kreml frohlockt, aus der Ukraine und Deutschland gibt es scharfe Kritik. Während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine seit mehr als viereinhalb Jahren tobt, werden dem Sport in Russland international immer mehr Türen geöffnet. Der Gewichtheber-Weltverband IWF verleiht der Rückkehr eine neue Dimension. 2030 soll nach Willen des Dachverbands in Moskau die WM stattfinden.

Nicht zuletzt angesichts der jüngsten Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs Cas, dass russische Eishockey-Teams wieder an internationalen Wettbewerben teilnehmen dürfen, könnte ein Start russischer Athletinnen und Athleten im Sport zur Normalität werden.

Weltverband würdigt Bewerbungen

Noch lange nicht normal ist eine WM in Russland. Die IWF vergab die Titelkämpfe 2030 am Rande der noch bis Sonntag andauernden und hierzulande kaum Beachtung findenden WM im chinesischen Ningbo nach Moskau. Der in den vergangenen Jahren von Dopingproblemen geplagte Weltverband ist der erste olympische Dachverband, der seit Beginn des Kriegs eine WM nach Russland vergibt.

"Alle Bewerbungen waren hervorragend und wir sind überzeugt, dass die Weltmeisterschaften in den jeweiligen Ländern ein großer Erfolg werden", erklärte IWF-Generalsekretär José Quiñones stolz. Mögliche Bedenken wegen des Kriegs äußerte der Verband nicht. Der ukrainische Sportminister Matwij Bidnyj hatte bereits kurz nach Bekanntgabe angekündigt, dass Sportlerinnen und Sportler aus seinem Land nicht nach Moskau reisen werden. Ob sich andere Nationen mit der Ukraine solidarisieren und den Titelkämpfen fernbleiben würden, sollte der Krieg weiter andauern?

DOSB empfiehlt "sorgfältige Prüfung einer Teilnahme"

Zumindest aus Sicht des Deutschen Olympischen Sportbunds ist eine Nichtteilnahme eine Option. "Der DOSB sieht die Vergabe einer Weltmeisterschaft nach Russland angesichts des andauernden völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der Russischen Föderation gegen die Ukraine sehr kritisch", erklärte der DOSB auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Der Dachverband empfehle seinen Mitgliedsverbänden "insbesondere vor dem Hintergrund der Vereinnahmung des Sports für Propaganda-Aktivitäten der russischen Regierung eine sorgfältige Prüfung einer Teilnahme an Wettkämpfen in Russland".

Direkt betroffen ist der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG). Die WM-Vergabe ist laut BVDG ein "problematisches sportpolitisches Signal" - auch wenn bis zu den Titelkämpfen noch vier Jahre vergehen werden. "Durch mögliche Boykotte droht zudem politische Spaltung, anstatt eine erhoffte völkerverbindende Wirkung." Auch das Sportstaatsministerium sieht die Vergabe kritisch, "solange der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg gegen die Ukraine fortgesetzt wird".

Russland will "Entpolitisierung des Sports"

Während die deutsche Ablehnung groß ist, nimmt Russland die Entscheidung dankend an. "Russland muss als vollwertiges Mitglied in die Sportgemeinschaft zurückkehren, weil diese Gemeinschaft ohne die Teilnahme Russlands nicht vollständig funktionieren kann", erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Natürlich begrüßen wir solche Entscheidungen. Das ist ein sehr wichtiger Schritt hin zur Entpolitisierung des Sports", sagte er der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass.

Das Internationale Olympische Komitee, das im Sommer entschieden hatte, die Sanktionen gegen russische Sportlerinnen und Sportler auch mit Blick auf Olympia 2028 in Los Angeles weitgehend aufzuheben, erklärte, dass die WM-Vergabe nach Russland eine "autonome Entscheidung" der IWF sei. Zugleich verwies das IOC auf eine Mitteilung aus dem Juli, dass man selbst keine Veranstaltungen in Russland austragen werde. Diese Haltung habe nach wie vor Bestand.

Verwendete Quellen: ntv.de, Christian Johner, dpa