"Besorgniserregend"

Schock-Studie: Deutlich mehr Hirnerkrankungen in der NFL als gedacht

imago1055867040h
CTE ist in der NFL offenbar weit verbreitet. (Foto: IMAGO/Newscom World)
00:00 / 04:26
29.10.2026 | 08:17 Uhr
Eine neue Studie ergibt, dass circa 75 Prozent der in einem Zeitraum von 15 Jahren verstorbenen früheren NFL-Spieler an der chronischen Hirnerkrankung CTE gelitten haben. Sie kommt von denselben Forschern, die zuvor eine deutlich geringere Zahl angegeben hatten.

Fast 75 Prozent der von 2008 bis 2023 gestorbenen früheren NFL-Spieler litt an CTE, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie ergab. Die Studie wurde im JAMA Network Open von Forschern der Boston University, Mass General Brigham und der Concussion & CTE Foundation erstellt und besagt, dass es sich hierbei um den ersten umfassenden Versuch von Wissenschaftlern handelt, zu ermitteln, wie verbreitet die chronische traumatische Enzephalopathie (CTE) unter verstorbenen ehemaligen NFL-Spielern ist.

Einige derselben Forscher hatten bereits im August eine Studie veröffentlicht, die noch von rund 25 Prozent früher NFL-Spieler sprach, die im Zeitraum von 2016 bis 2021 verstorben sind, bei denen CTE festgestellt wurde. Die neurodegenerative Erkrankung lässt sich nur nach dem Tod diagnostizieren. An einem Test, mit dem sich CTE bereits zu Lebzeiten nachweisen lässt, wird weiterhin geforscht. CTE ist eine fortschreitende Hirnerkrankung, die mit wiederholten Schlägen gegen den Kopf in Verbindung steht, die etwa in High-Impact-Sportarten wie Football häufig vorkommen.

Die Forschenden betonten, dass die Schätzung ausschließlich für verstorbene NFL-Spieler gilt und keine Rückschlüsse darauf zulässt, wie verbreitet CTE unter noch lebenden NFL-Spielern ist. Die Studie trifft zudem keine Aussagen zur Verbreitung unter College- oder Nachwuchsspielern. Eine weitere Einschränkung: Aus der Untersuchung geht nicht hervor, ob und gegebenenfalls welche Symptome bei den Spielern aufgetreten waren, die mit CTE in Zusammenhang gestanden haben könnten.

Hauptautorin sieht Ergebnis als "besorgniserregend"

CTE wird je nach Schweregrad in die Stadien I bis IV eingeteilt. In den frühesten Stadien treten den Forschenden zufolge häufig noch keine Symptome auf. "In vielen Fällen könnte sich die Erkrankung zum Todeszeitpunkt noch in einem frühen Stadium befunden und möglicherweise keine Symptome verursacht haben", heißt es in der Studie.

Julia Gallini, die Hauptautorin der Studie, bezeichnete die geschätzte CTE-Verbreitung von fast 75 Prozent in einem Statement als "besorgniserregend". Es müsse mehr getan werden, "um Familien zu unterstützen, CTE bereits zu Lebzeiten zu diagnostizieren und CTE-bedingte Symptome zu behandeln".

Frühere Studien zu CTE wurden wegen einer möglichen Auswahlverzerrung kritisiert: Sie stützten sich auf gespendete Gehirne von Spielern, bei denen mit höherer Wahrscheinlichkeit bereits zu Lebzeiten Symptome aufgetreten waren. Die aktuelle Studie umfasste 2362 Fälle. Sie kombinierte Daten von 396 Spielern, deren Gehirne gespendet worden waren, mit Einträgen im US-Sterberegister National Death Index zu 1966 verstorbenen Spielern, deren Gehirne nicht gespendet worden waren.

Im Vergleich zu den übrigen Spielern waren diejenigen, deren Gehirne gespendet worden waren, häufiger weiß, jünger verstorben und länger in der NFL aktiv gewesen. Bei knapp 94 Prozent der gespendeten Gehirne wurde CTE nachgewiesen. "Auch nach Berücksichtigung der unterschiedlichen Wahrscheinlichkeit einer Hirnspende deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass CTE unter verstorbenen NFL-Spielern weiterhin stark verbreitet ist", heißt es in der Studie.

NFL_Sendehinweis_1920x1080_10er_WEEK8

Zu wenige Informationen aus Highschool und College

Offen bleibt, wie verbreitet CTE auf den unteren Spielebenen an Highschools und Colleges ist. Die Forschenden verwiesen darauf, dass auf diesen Ebenen Daten zu Spielern fehlen, deren Gehirne nicht gespendet wurden. Das erschwere die Forschung zu Tackle Football im Jugendbereich.

Die NFL erklärte in einer Stellungnahme, die Liga arbeite "kontinuierlich daran, Football sicherer zu machen, unter anderem durch Maßnahmen zur Verringerung von Gehirnerschütterungen und Kopfstößen. Wir ermutigen ehemalige Spieler, diese Angebote zu nutzen, um bei gesundheitlichen Bedenken mögliche Erkrankungen abklären und behandeln zu lassen." Die Spielergewerkschaft NFLPA erklärte, solche Studien seien "entscheidend, um die langfristigen Auswirkungen von Football besser zu verstehen".

Verwendete Quellen: ntv.de, mbl