Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bewirbt sich mit München um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden stimmten die wahlberechtigten Delegierten des DOSB für die bayerische Landeshauptstadt. München setzte sich gegen den einzig verbliebenen Konkurrenten Köln/Rhein-Ruhr durch. Berlin hatte seine Bewerbung am Donnerstag zurückgezogen.
Der DOSB nimmt nach sieben gescheiterten Bewerbungen den nächsten Anlauf, Olympische Spiele nach Deutschland zu holen. Die Entscheidung über die Austragung 2036 will das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2029 fällen, als Konkurrenten gelten unter anderem Ahmedabad/Indien, Doha/Katar und Istanbul/Türkei. München war bereits 1972 Gastgeber der Sommerspiele.
Die Münchner Bewerbung galt schon im Vorfeld des Wahlsamstags als Favorit auf den Status des deutschen Bewerbers. In einer Volksbefragung im Oktober 2025 stimmten 66,4 Prozent der Bürgerinnen und Bürger der Stadt für die Olympiakampagne. Die vom DOSB eingesetzte Evaluierungskommission bescheinigte der Bewerbung "sehr hohes internationales Erfolgspotenzial". Auch Köln/Rhein-Ruhr hatte eine Zweidrittelmehrheit und gute Noten in der Bewertung verzeichnet. Berlin fiel dagegen ab und stieg enttäuscht vom Verfahren und dem mangelnden Rückhalt in der Politik vorzeitig aus.
Im Kurhaus von Baden-Baden entschieden sich die DOSB-Mitglieder, die nach der Satzung des Dachverbands abstimmen durften, für München, das mit dem Segelrevier Kiel beim IOC antritt. Die meisten Stimmen hatten die 42 olympischen Sportverbände (126), auch die Mitglieder des DOSB-Präsidiums (10) und fünf persönliche Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes durften sich mit jeweils einer Stimme beteiligen. Keine Stimme hatten dagegen der Deutsche Behindertensportverband (DBS) und zahlreiche weitere nicht-olympische Verbände. Die Auswahl hatte im Vorfeld für Unmut gesorgt.
Im Zweikampf setzte sich München schließlich deutlich mit 91:50 Stimmen gegen Köln/Rhein-Ruhr durch. Das konkrete Stimmenergebnis der geheimen Abstimmung gab der DOSB nach der Entscheidung auf einer Pressekonferenz bekannt.
"Großes, historisches Ziel"
Im Beisein von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause sowie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und des früheren IOC-Präsidenten Thomas Bach hatte zuvor Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Seite von DOSB-Präsident Thomas Weikert die Gewinnerstadt verkündet. Sportprominenz wie Tennisikone Boris Becker oder Schwimm-Olympiasieger Michael Groß schauten im Publikum interessiert zu.
Söder nannte die Münchner Kandidatur nach Verkündung eine riesige Chance für ganz Deutschland. "Es ist was Historisches und wir wollen alles geben, damit wir am Ende gemeinschaftlich als Deutschland, als Partner für Nord, für Süd, für Ost und West, am Ende uns als ein Land präsentieren", sagte der CSU-Politiker. Auch Münchens Oberbürgermeister Krause zeigte sich begeistert. "Die Freude ist jetzt unendlich und wir freuen uns, dass wir jetzt richtig loslegen können, Olympia nach Deutschland zu holen", sagte der Grünen-Politiker.
NRW-Landeschef Wüst will die Münchner nun unterstützen. "Die Entscheidung für München als deutschen Bewerber um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 und 2044 ist eine gute Nachricht für den Sport in Deutschland", sagte der CDU-Politiker, der als einer der ersten Gratulanten bei Söder war. "Köln-Rhein-Ruhr hat seine Hausaufgaben gemacht und eine exzellente Bewerbung vorgelegt, am Ende entscheiden Nuancen." Wüst sagte zudem: "Wir werden die Bewerbung für Deutschland mit voller Überzeugung und aus ganzer Kraft unterstützen."
Steinmeier nannte die Olympiabewerbung ein "großes, historisches Ziel" und lobte die übrig gebliebenen Bewerber: "Ich finde, die beiden verbliebenen Kandidaten haben großartige Bewerbungen hingelegt! Sie haben in ihren Städten und Regionen diskutiert, sie haben nachhaltige Konzepte entwickelt und viele Menschen für ihre Idee von den Spielen begeistert. Und sie haben sich untereinander einen fairen Wettbewerb geliefert."
Vorausgegangen war der Wahl zunächst ein Strategieprozess des DOSB mit mehreren Wendungen - ursprünglich hatte der Verband eine gesamtdeutsche Bewerbung mit mehreren Städten favorisiert. Später entstand ein nationaler Wettstreit, aus dem das Trio München, NRW und Berlin hervorging. In Hamburg hatten sich die Bürgerinnen und Bürger gegen eine Bewerbung ausgesprochen.


