Die ersten Tränen sind bei Victoria Carl schon geflossen. Seit Ende September darf die Skilanglauf-Olympiasiegerin nach ihrer Dopingsperre wieder mit der deutschen Mannschaft trainieren, das Wiedersehen fiel emotional aus. "Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu weinen. Aber es ging in dem Moment nicht", sagte die 31-Jährige in einer Medienrunde.
Es seien "sehr viele Tränen geflossen", erzählte auch DSV-Sportdirektor Peter Schlickenrieder über das Treffen in Oberhof. Der neue Cheftrainer Michael Bonfert habe an dem Abend einen vorbereiteten Film über die vergangenen Teamerfolge gezeigt. "Das hat mich mental komplett aus der Fassung gebracht", sagte die Thüringerin.
Bilder einer strahlenden Carl gibt es zur Genüge: 2022 hatte sie an der Seite von Katharina Hennig sensationell Olympia-Gold im Teamsprint und Silber mit der Staffel gewonnen. 2024/25 wurde sie Zweite im Gesamtweltcup. Doch wenige Wochen später wurde in Carls Blut die verbotene Substanz Clenbuterol nachgewiesen. "In dem Moment ist eine Welt zusammengebrochen", so Carl.
Carl muss für Fehler teuer bezahlen
Carl war nach eigener Angabe im März 2025 bei der Militär-WM von einem Bundeswehrarzt das Hustenmittel Spasmo Mucosolvan verabreicht worden. Ein Fehler, für den sie teuer bezahlte, Olympia 2026 verfolgte sie von der Couch. Einziger Trost: Die Sperre von 18 Monaten endet in vier Wochen, also pünktlich zum Start der neuen Saison.
"Jeder Mensch macht Fehler, und wir sind keine Maschinen. Jeder hat eine zweite Chance verdient, und ich möchte diese nutzen. Darauf trainiere ich hin. Ich bin sauber", sagte Carl und fügte an: "Ich würde am liebsten heute schon mit einer Startnummer irgendwo starten. Ein wenig muss ich mich noch gedulden. Die Vorfreude ist schon sehr groß."
Das erste Weltcup-Wochenende wird sie noch verpassen, da sie zunächst bei zweitklassigen Wettkämpfen FIS-Punkte für eine Startberechtigung sammeln muss. Aber dann will sie wieder voll angreifen. "Ich will stärker zurückkommen, jetzt erst recht", hatte sie zuletzt über die anstehende WM-Saison gesagt.
Ein prominentes Vorbild könnte die Norwegerin Therese Johaug sein, die 2016 ebenfalls für 18 Monate gesperrt wurde und anschließend noch dreimal Olympia-Gold und sieben WM-Titel holte. "Ich glaube, wir werden eine sehr starke Victoria Carl erleben", sagte Schlickenrieder und sieht auch ein Karriereende noch lange nicht in Sicht: "Ich glaube, dass sie durchzieht bis 2030 oder vielleicht sogar 2031."

