Charles Barkley war fassungslos. Die NBA-Legende staunte und rief seine Landsleute dazu auf, es ihm gleichzutun. Barkley, in den 90er-Jahren Superstar der Phoenix Suns und mittlerweile TV-Experte, wollte nicht glauben, was er im Frost Bank Center zu sehen bekam. Es war eine Ausnahmeleistung des französischen Ausnahmebasketballers Victor Wembanyama. "Amerika, schau dir das mal an. Mir fehlen die Worte. Das ist Wahnsinn, absolut unglaublich."
Der Riese der San Antonio Spurs war in der Nacht zu Donnerstag nicht zu stoppen. In einem engen Spiel nahm der 22-Jährige die Dallas Mavericks im Alleingang auseinander. Und hatte am Ende des 112:111-Siegs das Glück des Tüchtigen. Die tapferen Mavs hatten sich nach einem zwischenzeitlichen 19-Punkte-Rückstand zurückgekämpft und sogar die Chance, das Spiel zu drehen. Doch Kyrie Irvings Wurf mit noch drei Sekunden auf der Uhr verfehlte sein Ziel deutlich. Er war mit 29 Punkten, sieben Rebounds und fünf Assists bester Spieler seines Teams - vor Naji Marshall (22 Punkte). P.J. Washington (21 Punkte, 10 Rebounds) und Cooper Flagg (19 Punkte, 10 Rebounds) legten jeweils ein Double-Double auf.
So blieb es die magische Nacht von "Wemby". Der 2,24 Meter große Center stellte mit 52 Punkten (bisheriger Bestwert: 50 Punkte) und 24 Rebounds (bisheriger Bestwert: 23 Rebounds) persönliche Karrierebestwerte auf. Zudem kam er auf acht Blocks und verwandelte mit noch 24 Sekunden auf der Uhr den letztlich entscheidenden Freiwurf zum Endstand. Bereits zur Halbzeit stand er bei 29 Punkten, 15 Rebounds und 5 Blocks. Das hatte seit der detaillierten Datenerfassung in der Saison 1996/1997 noch kein Spieler vor ihm geschafft.
Wembanyama ist erst der zweite Spieler – nach Bob McAdoo im Jahr 1974 –, der seit der offiziellen Erfassung von Blocks in der Saison 1973/74 in einem Spiel mindestens 50 Punkte, 20 Rebounds und fünf Blocks erreichte. Zudem reiht er sich neben den Ikonen Wilt Chamberlain und Elgin Baylor in den exklusiven Kreis der Spieler ein, die in der NBA-Geschichte bei einem Sieg mit nur einem Punkt Vorsprung mindestens 50 Punkte und 20 Rebounds erzielt haben.
"Es geht einfach darum, die Dinge besser zu verstehen", sagte er nach seiner surrealen Gala gegen die Mavs. "Manchmal ist man einen Schritt voraus. Außerdem habe ich mich in letzter Zeit nicht sehr gut gefühlt; ich war eine Weile krank. Heute hatte ich das Gefühl, dass meine Beine wieder voll da sind – so etwas sollte also in Zukunft öfter vorkommen." Hinter Wembanyama waren Dylan Harper (mit 21 Punkten) und Stephon Castle (17 Punkte, 10 Rebounds) die besten Spurs-Werfer.

