Mit den Armen über dem Kopf und ungläubigem Blick überquerte Andreas Almgren am Sonntag die Ziellinie im Central Park. Nach 2:06:01 Stunden gewann der 31-Jährige den Marathon in New York City über die klassische 42,195-Kilometer-Distanz. Es sei "ein bisschen Sportgeschichte", würdigte ein Eurosport-Kommentator, den Sieg des Schweden, denn: Almgren bestritt seinen ersten Marathon überhaupt.
Das ließ sich der Mann aus der Gemeinde Sollentuna in der Provinz Stockholms län jedoch kaum anmerken, zog vor dem Ziel sogar noch einmal das Tempo an. Hinter sich ließ Almgren eine ganze Reihe von starken Konkurrenten: etwa den dreimaligen Europameister Yemaneberhan Crippa aus Italien, der nach 2:06:14 Stunden ins Ziel kam und Platz zwei belegte. Dritter wurde Kamohelo Mofolo aus Lesotho in 2:06:26 Stunden. Vorjahressieger und Favorit Benson Kipruto aus Kenia musste sich mit dem vierten Rang begnügen.
Almgren zwingt sich zum Genuss
Almgren teilte sich sein Rennen perfekt ein und war auf den letzten Kilometern der deutlich stärkste Läufer. An den Streckenrekord des Äthiopiers Tamirat Tola (2:04:58/2013) kam er nicht heran, auch der Europarekord (2:03:36) des Belgiers Bashir Abdi aus dem Oktober 2021 war außer Reichweite. Absolute Spitzenzeiten wie in Berlin oder Chicago gibt das Profil der Strecke in New York mit ihren fünf berüchtigten Brücken nicht her.

Bürgermeister überrascht beim New-York-Marathon
Das interessierte den Schweden nach dem Rennen aber offenbar kaum. "Ich war nach einem Rennen wahrscheinlich noch nie so emotional", sagte er. "Als noch fünf Kilometer zu laufen waren, hatte ich das Gefühl, dass ich heute Kraft in den Beinen habe … Ich sah, dass ich [gegen Ende des Rennens] einen ziemlich großen Vorsprung hatte, und dachte: 'Okay, genieß einfach diese letzten paar Hundert Meter', denn das ist etwas, was nicht viele Menschen erleben dürfen."
New York hat anspruchsvolle Strecke
Für dieses Erlebnis hat Almgren hart gearbeitet: Bei der Leichtathletik-EM in Birmingham im August war Almgren Europameister über 10.000 Meter geworden. Im September hatte der Schwede sich in Kopenhagen dann überraschend Gold bei der Halbmarathon-WM geholt und war Europarekord gelaufen. Nun folgte sein nächster großer Erfolg in diesem Jahr.
Laut dem Portal Leichtathletik.de absolvierte Almgren in einer zehnwöchigen Vorbereitung nach der EM in Birmingham insgesamt 2006 Trainingskilometer in der Höhe. Seine bisherigen Leistungen zeigen seine Vielseitigkeit, von der er auf der vergleichsweise schwierigeren Strecke in New York profitierte.
Die legendäre Route des erstmals 1970 ausgetragenen Rennens führt durch alle fünf New Yorker Boroughs, die Stadtbezirke der Metropole. Vom Start auf Staten Island geht der Weg durch Brooklyn, Queens und die Bronx bis nach Manhattan mit dem Ziel im Central Park. Am Sonntag waren wieder rund 60.000 Teilnehmende und zwei Millionen Zuschauende dabei.
Künftig dürfte Andreas Almgren Marathon-Rennen mit schnelleren Strecken ins Auge fassen, um die beachtliche Zeit bei seinem Debüt weiter auszubauen. Vorerst kann er den Sieg aber in vollen Zügen genießen - ein Erfolg, den er nach eigener Aussage nicht für möglich gehalten hätte.

