Baden-WürttembergStets das gleiche Muster: Löwen nach Fehlstart unter Druck

Erst der schwache Bundesliga-Auftakt, nun das DHB-Pokal-Aus: Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen verlieren ihre Spiele immer auf die gleiche Art und Weise. Der Trainer ist als Psychologe gefragt.
Kassel (dpa/lsw) - Maik Machulla wirkte mitgenommen und nachdenklich. Den nächsten schweren Rückschlag in der noch jungen Handball-Saison musste der Trainer des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen erst einmal verarbeiten. "Das nervt uns alle", sagte der 49-Jährige nach dem bitteren Aus der Mannheimer im DHB-Pokal bei der MT Melsungen.
In der Kasseler Rothenbach-Halle verloren die Nordbadener am Dienstag mit 33:35 (29:29, 17:16) nach Verlängerung und rutschten noch tiefer in die Krise. Schon der Bundesliga-Start mit 4:6 Punkten ging daneben. Dem Wiedersehen mit den Melsungen in der Liga beim Heimspiel am Samstag (20.00 Uhr/Dyn) kommt daher schon eine größere Bedeutung zu.
"Schema" - Schwache Schlussphasen, vergebene Siebenmeter
"Nur über ein Erfolgserlebnis" könne sich seine Mannschaft aus der misslichen Lage befreien, meinte Machulla, der momentan fast mehr als Psychologe denn als Trainer gefragt ist. Denn bislang liefen die Begegnungen seines Teams in dieser Saison fast identisch ab.
Meistens lagen die Löwen in der Schlussphase in Führung, um plötzlich doch noch die Kontrolle zu verlieren - und dann das Spiel. In Kassel reichte eine Drei-Tore-Führung fünf Minuten vor dem Abpfiff nicht, um im Pokal ins Achtelfinale einzuziehen. Zudem wurden drei Siebenmeter verworfen. Aber auch in der Liga sind die Strafwürfe ein Problem. Kapitän David Späth sprach von einem "Schema".
Keine Frage: Stabilität und Kaltblütigkeit lassen die Löwen bislang vermissen. Dabei waren sie mit einem verstärkten Kader in dieser Spielzeit eigentlich angetreten, um nach Platz acht in der Vorsaison in der Tabelle etwas nach oben zu klettern. Von einer Europapokalteilnahme sprach zwar offiziell niemand. Doch in einem internationalen Wettbewerb vertreten zu sein, gehört zum normalen Anspruch des zweimaligen deutschen Meisters und Pokalsiegers.
Nationaltorwart Späth hofft auf "Lerneffekt"
Um ihre Saisonziele nicht frühzeitig aus den Augen zu verlieren, brauchen die Löwen Siege. Und einen "Lerneffekt", betonte der Nationalmannschaftstorwart Späth. Wie sein Team in der Schlussphase den Vorsprung gegen Melsungen weggeschenkt habe, sei "bitter" gewesen. Seine unmissverständliche Forderung lautet deshalb: "Wir müssen cleverer werden." Was übrigens auch sein Kapitänskollege Jannik Kohlbacher so sieht: "Bislang belohnen wir uns zu wenig. Und da müssen wir uns schon an die eigene Nase fassen."
Besser machen wollen es die Löwen schon am Samstag beim Wiedersehen mit den Nordhessen. "Druck haben wir immer", sagte Coach Machulla und versuchte, die Bedeutung der Begegnung ein wenig herunterzuspielen. Doch zweifelsohne steht auch er in seinem zweiten Jahr bei den Löwen in der Bringschuld - erst recht, nachdem ihm im Frühjahr auch noch die Aufgaben von Uwe Gensheimer als Sportchef übertragen worden waren. Die Vereinsikone war vom Club abberufen worden.
Bei Teilen der Fans wirkt diese Personalentscheidung noch nach und sorgt weiter für Diskussionen. Verstummen werden sie wohl erst nach Siegen.