Baden-WürttembergWarum der neue SPD-Landeschef den Kanzler so hart angeht

Jung, laut, unbequem: So wird der neue SPD-Chef im Südwesten oft beschrieben. Nun greift Robin Mesarosch den Kanzler heftig an - und das, obwohl seine Partei mit ihm regiert.
Stuttgart (dpa/lsw) - Der SPD-Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, Robin Mesarosch, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert - und der künftigen Bundesspitze seiner Partei zur Distanz geraten. Die neue Führung müsse deutlich machen, wofür die Sozialdemokraten stünden, und für ihre Positionen kämpfen, sagte Mesarosch der "Schwäbischen Zeitung". "Wir müssen nicht bei allen Aussagen an der Seite von Friedrich Merz stehen, den ich im Übrigen als Kanzler für absolut ungeeignet halte."
Ihm persönlich sei es völlig zuwider, "Leuten das Gefühl zu geben, sie wären zu faul, oder ständig über Reformen zu reden und eigentlich Kürzungen zu meinen", kritisierte er den Kanzler. "Als SPD sind wir nicht nur Teil einer Regierungskoalition, wir sind auch eine eigenständige Partei, die Leute für ihre Positionen begeistern muss."
Links-progressiv und social-media-affin
Mesarosch stellt mit der Mannheimer Bundestagsabgeordneten Isabel Cademartori seit Juni die neue Doppelspitze der SPD in Baden-Württemberg. Der Landesverband steckt in der Krise. Bei der Landtagswahl im Frühjahr kam die Partei auf historisch schlechte 5,5 Prozent und verpasste damit fast den Einzug ins Parlament. Der 35-Jährige gilt als links-progressiv und hat auf Instagram eine große Reichweite. Bereits in seiner Bewerbungsrede für den Landesvorsitz hatte er Merz mit Blick auf dessen Wahlversprechen der Lüge bezichtigt.
Die SPD will bei einem Bundesparteitag am 16. und 17. Januar in Bremen ihre komplette Führung neu wählen und inhaltliche Schwerpunkte wie die Bezahlbarkeit des Lebens setzen. SPD-Chefin Bärbel Bas war vor kurzem zurückgetreten. Der verbliebene Parteichef, Finanzminister Lars Klingbeil, hatte offen gelassen, ob er noch einmal antritt.