Für den Alltag und im NotfallDieses Digitalradio ist das beste im Test
Von Christoph Dörr
Digitalradios empfangen DAB+, den Nachfolger von UKW. Der große Vorteil: Hier rauscht und knistert nichts. Im ntv Produkt‑Check treten Geräte zwischen 30 und 90 Euro gegeneinander an. Bei welchem sind wir ganz Ohr?
Neben dem Klang prüfen wir, wie gut sich die Modelle als Notfallradios eignen: In Reutlingen gab es im Juni einen großen Stromausfall, vom Berliner Blackout im Januar waren 100.000 Menschen betroffen. In solchen Fällen sind Radios wichtig, die nicht am Stromnetz hängen, sondern dank Akku, Handkurbel oder Solar eigenständig laufen. Die Digitalradios im Test sind kompakt gebaut und bieten dafür einen überraschend guten Sound. So viel vorneweg: Alle Radios liegen in unserer Wertung sehr eng beieinander.
Welches Digitalradio performt am besten? Das Fazit
Ein kräftiger Klang, guter Empfang von DAB+ und UKW, das Design durchdacht, die Verarbeitung stabil - zum Sieger im Digitalradio-Test küren wir das Albrecht DR 112* Als Preis-Leistungs-Sieger überzeugt das tragbare Gallypek*, ein Mini-Gerät mit vielen praktischen Funktionen, das dafür sehr kostengünstig ist.
So testen wir die DAB+ Radios von Kenwood, Albrecht, Gallypek, Rocam und Mesqool
Den Empfang und die Funktionen der fünf Digitalradios testen wir zu Hause und in einem Park unter freiem Himmel. Wie alltagstauglich sind die Geräte, wie gut liefern sie ab, wenn der Strom ausfällt?
Benutzerfreundlichkeit: Wie schnell und einfach lässt sich das Radio einrichten, ist die Menülogik verständlich und das Display gut ablesbar? Einen automatischen Sendersuchlauf haben alle Geräte.
Empfang: Wie ist die Empfangsstärke von DAB+ und UKW?
Klangqualität: Ist die Sprache gut verständlich oder kommt es zu Verzerrungen, wie klar und kräftig ist der Sound? Größere Gehäuse bieten in der Regel mehr Bass.
Verarbeitung: Ist das Gehäuse stabil und stoßfest? Sind die Geräte Outdoor‑geeignet, wie steht es um den Wasserschutz?
Ausstattung: Welche Features gibt es, etwa Bluetooth, Handkurbel, Solarpanel, Batteriebetrieb, Powerbank, Taschenlampe, Leselicht oder Fernbedienung, welche Anschlüsse sind vorhanden? Ein Digital‑Display mit Programminfos haben alle Radios.
Verbrauch: Wie sind Akku‑Kapazität und Laufzeit, wie effizient arbeiten Kurbel und Solar?
Kosten: Gibt es viele Funktionen zu einem angemessenen Preis?
Die Digitalradios im Test
Testsieger: Albrecht DR 112, tragbares DAB+/UKW Outdoor Kurbelradio, circa 70 Euro*
Preis-Leistungs-Sieger: Gallypek tragbares DAB+ Radio mit Bluetooth, circa 30 Euro*
Mesqool Kurbelradio DAB+/UKW, tragbares Solar Radio, circa 43 Euro*
Eine gute Alternative mit Netzstecker, aber ohne Notfall-Funktion:
Hinweis: Die Preise sind volatil, Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, wurden sie nach Veröffentlichung des Artikels durch den Händler geändert.
Testsieger: Albrecht DR 112, tragbares DAB+/UKW Outdoor Kurbelradio
Kurz und knapp: Unser Testsieger bietet ein sehr ausgereiftes Gesamtpaket mit starkem Klang, gutem DAB+/UKW‑Empfang und einem robusten und zugleich schicken Gehäuse.
Seine Features machen das Albrecht DR 112* zum besten Outdoor- bzw. Notfallradio im Testfeld. Integriert sind Taschenlampe, Leselicht und ein SOS-Knopf, mit dem man lautstark auf sich aufmerksam machen kann. Das Gerät hat einen Wasserschutz, der sogar Starkregen aushält, über die Powerbank-Funktion können Mobiltelefon oder Tablet geladen werden, per Bluetooth lässt sich Musik vom Handy abspielen. Das Gerät hat keinen Netzstecker, vielmehr wird es über drei Wege geladen: USB-C-Anschluss, mithilfe einer Handkurbel oder durch die oben angebrachte Solarzelle - in unserem Test reichen drei Minuten Kurbeln aus, um das Radio etwa 12 Minuten spielen zu lassen.
Das Albrecht DR 112 lässt sich fix in Betrieb nehmen, der Sendersuchlauf belegt automatisch Programmplätze. Das kleine Kraftpaket überzeugt darüber hinaus mit einem satten Stereo-Sound aus nur 2 x 5 Watt-Lautsprechern. Die Akku-Kapazität ist mit 4000 Milliampere-Stunden (mAh) solide, aber etwas geringer als bei vielen anderen Kurbelradios - voll aufgeladen sind bis zu 10 Stunden Radioempfang möglich. Ein kleines Manko: Es gibt kein Batteriefach als Energiereserve. Das Albrecht erweist sich insgesamt als guter Allrounder, sowohl zum Einsatz im Notfall, aber auch als einfaches Wohnzimmer- oder Balkonradio. Das Preis-Leistungs-Verhältnis beurteilen wir als angemessen.
Preis-Leistungs-Sieger: Gallypek tragbares DAB+ Radio mit Bluetooth
Kurz und knapp: Ein erstaunlich überzeugendes Digitalradio für den Alltag zum kleinen Preis. Für Notfall-Situationen ist es etwas weniger geeignet.
Das DAB+ Radio von Gallypek* hat für sein Mini-Format (13 x 7 cm) eine überraschende Klangleistung, auch der Empfang ist sehr ordentlich. Was wir bei allen Geräten im Test feststellen: Im Freien werden die Signale von DAB+ und UKW immer ähnlich gut empfangen, in Innenräumen sind die Sender meistens nur via DAB+ rauschfrei zu hören. Beim Gallypek ist die Akku-Kapazität mit 2200 mAh ausreichend, laut Hersteller ist das Gerät voll aufgeladen bis zu 12 Stunden betriebsfähig. Neben dem USB-Anschluss kann es zusätzlich über ein recht großes Solarpanel geladen werden, das die komplette Rückseite ausfüllt.
Ein Batteriefach oder eine Kurbel gibt es nicht, weshalb dass Gallypek-Radio im Notfall nicht unbegrenzt nutzbar ist. Für den Alltag sind Bluetooth-Funktion und die Kopfhörerbuchse interessant. Das kleine, schwarze Gerät ist griffig, leicht und findet überall seinen Platz - ob auf dem Gartentisch oder im Badregal. Dank der vielen Pluspunkte liefert es im Testfeld insgesamt das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Rocam tragbares DAB+ Radio - für den Notfall gerüstet
Kurz und knapp: Dank vieler Funktionen ein top Krisenradio, wenn der Strom ausfällt - das Gerät hat die längste Akku-Laufzeit im Test.
Richtig Power hat das Digitalradio von Rocam*: Mit 12000 mAh kommt es mir der größten Akku-Kapazität aller Testgeräte und kann damit je nach Nutzung etwa 20 bis 30 Stunden Betrieb liefern - dafür muss der Akku vorher allerdings auch 6 bis 8 Stunden geladen werden. Mit 85 cm² verfügt dieses Gerät außerdem über das größte Solarpanel im Vergleich: Es ist von hinten hochklappbar und speichert schneller mehr Sonnenenergie als die anderen. Das DAB+ Radio kann außerdem über die Handkurbel und AAA-Batterien nachgeladen werden. Weitere Features: LED-Taschenlampe, Leselicht, SOS-Taste, Wasserschutz, Powerbank, Bluetooth, ein gut gegliedertes Digital-Display und eine große Anzahl an Sendespeichern. Diese Funktionsfülle macht das Rocam stark im Notfall ohne Strom und generell für den Outdoor-Einsatz – dafür sprechen zusätzlich die grüne Farbe und das stabile, stoßfeste Gehäuse.
Die Hauptfunktion, DAB+ sowie UKW-Empfang und Klangqualität sind ebenfalls solide. Die Schwachpunkte: Die Menüführung ist hier etwas komplexer, man muss sich zunächst einarbeiten. Daneben ist das Digitalradio recht groß und mit fast einem Kilo Gewicht vergleichsweise schwer zu tragen. Trotz großer Solarfläche und Handkurbel wird laut Nutzerbewertungen bei dieser Akkugröße nur langsam Energie nachgeliefert - Solar- und Kurbelbetrieb eignen sich daher eher als Ergänzung zur USB-Ladung. Hierbei handelt es sich um eine Tatsache, die wir bei allen Testgeräten feststellen..
Mesqool Kurbelradio - starker Auftritt im Freien
Kurz und knapp: Robustes Digitalradio für draußen mit vielen passenden Funktionen.
Das Mesqool Kurbelradio* kommt häufig beim Camping zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um einen DAB+‑ und UKW‑Empfänger, der sich für Notfälle eignet und dem Rocam äußerlich ähnelt. Mehr noch: Dieses Digitalradio hat ebenfalls einen kräftigen Akku, der auch als Powerbank genutzt werden kann. Der Akku lässt sich auf vier Wegen laden: per USB, Handkurbel, Solar und über AAA‑Batterien als Reserve. Die Kapazität von 5.000 mAh ist praxisgerecht - lang genug für Radio und Licht, aber nicht so groß, dass Kurbel und Solar ineffektiv wirken. Nützliche Funktionen sind die jeweils zweistufige Taschen‑ und Leselampe, der SOS‑Alarm, der Spritzwasserschutz und Speicherplatz für 60 Sender. Eine Bluetooth-Funktion gibt es nicht. Die Menübedienung erfolgt einfach über das Display mit sieben großen, gut beschrifteten Tasten. Den Klang empfinden wir als angemessen für ein funktionsreiches Krisenradio. Das Mesqool gibt es in vier Farbtönen zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Kenwood CR-ST80 DAB+ Stereo-Kompaktradio - klarer Klang für den Alltag
Kurz und knapp: Kompakter Allrounder mit Netzstecker für zu Hauser - der beste Klang im Test, aber nicht auf Notfälle ausgerichtet.
Das DAB+ Radio von Kenwood* unterscheidet sich eindeutig von den anderen Testgeräten, da es keinen Akku hat, sondern ausschließlich über das Stromnetz betrieben wird - hier gibt es kein Batteriefach, keine Handkurbel und kein Solarpanel. Für Notfallszenarien, in denen der Strom ausfällt, ist dieses Gerät daher nicht geeignet.
DAB+ und UKW-Empfang, Fernbedienung, Bluetooth, Weckfunktion und Sleeptimer machen es aber zu einem sehr attraktiven Gerät für Zuhause. Stereo mit 2 x 10 Watt und Bassreflex sorgen für einen deutlich besseren Klang als bei den kleineren Notfallradios, das Kenwood lässt sich damit besonders gut auch als Lautsprecher für Playlists vom Handy verwenden. Es ist in Schwarz oder Weiß erhältlich, sehr gut verarbeitet und eignet sich für alle, die auf Mobilität verzichten können, beim Sound aber keine Abstriche machen wollen.
Digitalradios - wichtig zu wissen
Wozu ein Notfallradio mit Kurbel und Solar? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt ein Radio als Teil der Notfallvorsorge in jedem Haushalt - bei längeren Stromausfällen ist es oft der wichtigste Weg, um die Bevölkerung zu informieren. Wenn Mobilfunknetz und Internet ausfallen, erreichen Warnmeldungen das Handy nicht mehr, Radiosender senden aber weiter.
Was ist DAB+? DAB+ ist eine digitale Übertragung, bei der Audiosignale im Radiosender in digitale Daten umgesetzt und über Sendeanlagen am Boden ausgestrahlt werden. Das Radiogerät empfängt diese Signale über seine Antenne ganz ohne Internet. Der Empfang ist in der Praxis weitgehend rauschfrei, und es lassen sich zusätzliche Informationen wie Sendername oder Musiktitel im Display anzeigen. Wichtig zu unterscheiden: Ein Digitalradio ist kein Internetradio, Internetradios streamen Sender über das Internet und benötigen dafür zwingend WLAN, LAN oder Mobilfunk.
Was ist der Unterschied zu UKW? Fast alle aktuellen DAB+-Geräte haben zusätzlich einen UKW‑Tuner für analoges Radio. Das ist praktisch, wenn ein Lieblingssender lokal noch nicht über DAB+ sendet oder man in Regionen unterwegs ist, in denen UKW besser ausgebaut ist. Im Krisenfall ergänzen sich digitale und analoge Übertragung: DAB+ liefert bei gutem Signal klarere, stabilere Informationen. Wird das Signal schwächer, rauscht und pfeift UKW zwar, aber Teile der Durchsage bleiben hörbar, während DAB+ schon komplett aussetzt.
Wie empfange ich DAB+? In Deutschland ist das DAB+-Netz für mobilen Empfang inzwischen weitgehend ausgebaut, die konkrete Senderauswahl und Signalstärke hängen aber stark vom Standort ab. Hier lässt sich prüfen, wie gut der Empfang am Wohnort ist und welche Programme verfügbar sind.
*Wir kaufen die Produkte für den ntv Produkt-Check auf eigene Kosten und testen und vergleichen sie unabhängig und nach objektiven Kriterien. Wird ein Produkt über einen Link im Artikel gekauft, erhalten wir eine kleine Provision. Auf den Kaufpreis hat das keinen Einfluss.




